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Full text: Textil- und Bekleidungs-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 5

446 Gruppe V. Textil- und Bekleidungs-Industrie. 
deutenden Fabrikationszweig, der dem Industriellen sowohl in den 
Qualitäten als auch in der Composition der Muster ein ausserordentliches 
Feld zur Production von Neuheiten bietet und nächst den Teppichen 
am meisten Veranlassung zur Ausbildung der kunstgewerblichen Seite 
der Textilindustrie giebt. 
Wie schon an anderen Orten erwähnt, hat sich seit der letzten 
Pariser Ausstellung ein bemerkenswerther Fortschritt in der allgemei 
nen Geschmacksrichtung vollzogen, welcher in den verbesserten Mustern, 
dei Anwendung stilgerechter Zeichnungen und einem Zurückdrängen 
der alten naturalistischen Compositionen zu Tage tritt. Allerdings ist 
häufig erst ein Streben wahrzunehmen, dessen wirkliche Resultate noch 
ziemlich gering sind; es ist jedoch zu hoffen, dass der betretene Weg 
weiter verfolgt und besonders durch die Anregungen, welche die Aus 
stellung gerade auf diesem Gebiete geben konnte, in erspriesslicher 
Weise gefördert werde. 
In grossen Zügen charakterisirt, muss ausgesprochen werden, dass 
von den Industrieländern in den Möbelstoffen Frankreich durch die 
Schönheit und den Reichthum seiner Dessins und Qualitäten allen 
anderen Nationen voraus ist und noch immer als Quelle betrachtet 
werden muss, aus der die Industrie die besten Ideen und vielseitigsten 
Anregungen schöpfen kann. Es ist zu wünschen, dass dies in aus 
gedehntestem Maasse geschieht und dass eine freie Verarbeitung der 
entnommenen Vorbilder auch anderer Orten eine selbstständige, nicht 
sklavisch copirende Industrie schaffe. Nächst Frankreich ist in kunst 
gewerblicher Beziehung Oesterreich sehr bedeutend und zu den schön 
sten Erfolgen berechtigend, während Deutschland und England zwar 
in glatten Qualitäten vielfach Vortreffliches leisten, aber das Musterfach 
durchaus nicht in genügender Weise ausgebildet haben. 
Die französische Ausstellung war eine sehr reichhaltige und von 
den bedeutendsten I abrikanten der Branche beschickte. Vor allen sind 
zu erwähnen: H. Mo u ree au & E. Leduc in Paris mit einer pracht 
vollen Collection brochirter Stoffe in schwungvollen Zeichnungen und 
schöner Farbeneomposition; C.E. A. Bouchardt - Florin in Tourcoing 
excellirte durch schöne wollene Ripse mit seidenen Brochirungen in 
vorzüglichster Ausführung; Hariuckquck und F. Vanoutryve & Co. 
aus Roubaix hatten reiche wollene Stoffe ausgestellt. 
Durch prächtige Gobelintischdecken in reichen, geschmackvollen 
Dessins mit Gold durchwirkt waren Henry Walmez in Paris und 
Arnaud Gaidau & Co. in Nimes hervorragend. 
Mehrere Fabrikanten aus Nimes, besonders Flaissier freres, 
A. Guebin hatten Möbelstoffe in plüschartigem Teppichgewehe, feinem 
Brüsseler Genre ausgestellt, die sowohl was Qualität als Geschmack der 
Dessins anlangt zu dem Vorzüglichsten der Ausstellung gehörten.
	        
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