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Full text: Textil- und Bekleidungs-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 5

450 Gruppe V. Textil- und Bekleidungs - Industrie. 
Als Vorbilder dienten dem Teppiche die Matte und das Fell des 
Thieres. Aus beiden heraus hat er sich entwickelt; aus jener zu dem 
glatten Teppiche in der grossen Mannigfaltigkeit der Qualitäten, — 
aus diesem zum plüschartigen Teppiche. Je nach ihrer technischen 
Herstellungsweise können wir die Teppiche classificiren in solche, die 
durch Handarbeit auf einfachen rahmenförmigen Vorrichtungen ange 
fertigt werden, und in solche, die auf Webstühlen mit all den Vervoll 
kommnungen, die wir heute mit denselben verbunden wissen, fabricirt 
sind. Erstere sind orientalisches Fabrikat oder dessen Imitation in 
Europa, letztere bilden Gegenstände der eigentlichen europäischen 
Industrie. Betrachten wir zunächst 
Die orientalische Teppichfabrikation. 
Dieselbe ist noch heute ausschliesslich heimisch in den Vaterländern 
dieser ganzen Industrie, im Oriente. Noch heute sind daselbst die 
nämlichen einfachen Geräthe im Gebrauche, auf denen vor Jahrtausenden 
die kunstvollsten Producte angefertigt wurden. Sie bestehen in einem 
einfachen, aufrecht stehenden rahmenförmigen Apparate, in dem sich 
oben und unten horizontal liegende Bäume befinden, deren oberer die 
Kette enthält, also die Stelle unseres Kettbaumes vertritt, während der 
untere als Waarenbaum dient. Der Arbeiter — oder bei breiteren 
Geweben in der Hegel mehrere neben einander — sitzt davor und ver 
schlingt die Einschlagsfäden mit denen der Kette. Den Grund des 
Gewebes bildet die einfache Taffet- oder Leinwandbindung; zur Tren 
nung der Kette, an Stelle unseres Geschirres, dient ein quer durch 
gesteckter Stab, der sie in zwei gleiche Theile theilt; die hinteren 
Fäden werden durch einen Zug abwechselnd nach vorn gezogen. Das 
Anschlägen der Schussfäden geschieht mittelst eines kammähnlichen, 
hölzernen oder metallenen Instrumentes. Es ist dies in seinen einzelnen 
Theilen genau der Webstuhl, wie er in der ältesten Zeit des classischen 
Alterthums bei den Griechen und Körnern in Gebrauch war, bevor der 
jetzt übliche mit horizontal liegender Kette in Anwendung kam; er 
führt in der heutigen Technologie den Namen Hautelissestuhl (metier 
ä hautes-lisses). Die auf diesem Apparate im Orient hergestellten 
Teppiche zerfallen in zwei grosse Gattungen: die von der Matte als 
Grundform ausgehenden geflochtenen und die das Thierfell imiti- 
renden geknüpften. Erstere sind meistens gewöhnlichere, billigere 
Artikel, letztere die kostbareren Stoffe. 
Die Hauptrepräsentanten der orientalischen Teppichindustrie sind 
Persien, Indien und die Türkei, denen -sich andere asiatische Völker — 
bis nach China hin — anschliessen, während auch westlich und nörd-
	        
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