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Full text: Textil- und Bekleidungs-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 5

460 Gruppe V. Textil- und Bekleidungs - Industrie. 
Achmed Bey in Constantinopel, sowie die von der türkischen Regie 
rung vorgeführten Producte zu bezeichnen. 
Nächst diesen drei Hauptgebieten für die Teppichindustrie hatte 
China einige geknüpfte Plüschteppiche ausgestellt, in derselben Weise 
wie die bisher erwähnten hergestellt, unter ihnen sogar einen in pracht 
voll stilisirtem Muster. Bedeutender scheint dort die Fabrikation 
glatter Teppiche aus Ziegenhaar zu sein, denen phantastische Muster 
aufgedruckt sind. Japan hatte einen Knüpfteppich gesandt, dessen 
Flor aus Baumwolle bestand und der auch durch das eigenthümliche 
Muster interessant war. Marokko liefert schöne Plüschteppiche in schwe 
rer Qualität in Art der Smyrnafabrikate, häufig auch aus feinerem Ma 
terial und guten Mustern. Sehr bemerkenswerth sind die kaukasischen 
Teppiche. Dieselben waren in reicher Auswahl vertreten, sie sind 
dicht und mit kurzem Flor; ihre Muster zum Theil von überraschender 
Schönheit und mit den besten orientalischen wetteifernd; leider scheint 
sich jedoch hier ein verderblicher Einfluss der europäischen Industrie 
geltend zu 1 machen, indem die gesunden, kräftigen, orientalischen Far 
ben durch die unechten Anilinfarben ersetzt werden, wie manche ver 
fehlte Stücke zeigten. 
Von europäischen hierher gehörigen Producten sind die höchst 
interessanten Erzeugnisse der Hausindustrie in Siebenbürgen, Croa- 
tien und Slavonien zu erwähnen. Dieselben sind theils von dem 
ungarischen Nationalmusenm in Pest, theils von einzelnen kleinen 
Leuten zum Verkauf ausgestellt worden und zeigen die primitiven 
Ausläufer der oben geschilderten orientalischen Industrie. Vornehmlich 
finden wir gobelinartig gewebte Teppiche mit beidseitig rechten, ein 
fachen, linearen, meistens im Zickzack abgesetzten Mustern in lebhaften 
Farben, wie sie von den Frauen im Hause, besonders im Winter, in 
uralter Tradition gearbeitet werden. 
Die nämlichen Producte zeigte uns die Ausstellung Rumäniens, 
nur finden wir hier schon etwas feinere Zeichnungen, welche von dem 
zwar auch hauptsächlich vertretenen Zickzack abweichen und gebogene 
Contouren zeigen. 
Die Imitation der orientalischen Teppiche in Europa. 
Der fortschreitende Wohlstand und die verbesserte Geschmacks 
richtung haben in neuerer Zeit die orientalischen besonders die Smyrna 
teppiche im westlichen Europa durch ihre Qualität und Farbenschönheit 
zu einem sehr gesuchten Artikel gemacht. Ihr hoher Preis und die 
Nachtheile, welche aus der gerügten zuweilen eintretenden Ungleich 
heit ihrer Farben erwachsen, regten unsere Industriellen an, zu unter 
suchen, ob nicht einerseits die letztere durch unsere grösseren techni-
	        
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