462 Gruppe V. Textil- und Bekleidungs-Industrie.
Seiten der Fabrikation, wo wir Meister sein können, mit voller Meister
schaft behandelten.
Auf der Ausstellung waren die meisten Fabrikanten dieser Branche
vertreten. Die Gevers & Schmidt’sche Teppichfabrik in Schmiede
berg in Schlesien, die bedeutendste Deutschlands, welche seit dem
Beginne der fünfziger Jahre diesen Artikel fabricirt, hatte einige
sehr schöne lebhafte Teppiche in türkischem Geschmacke exponirt,
andere, insbesondere der den deutschen Kaiserpavillon zierende, sind
zu matt in den Farben; ein grosser Teppich in grau und modefarbenem
Grundtone mit rosa Arabesken und Blumen ist zwar nicht unschön,
aber im Muster weniger zu rechtfertigen. Schütz & Juel in Wurzen
bei Leipzig hatten drei geschmackvolle Teppiche im Smyrnagenre gelie
fert; auf einen grossen Blumenteppich mit 38 Farben, ein Kunststück
in der Fabrikation, lässt sich das Lessing’sche Wort: „Nicht alles,
was die Kunst vermag, soll sie vermögen“ an wenden — das mancher
Fabrikant dieser Branche beherzigen sollte.
Von österreichischen Industriellen fanden wir Jos. Dierzer in
Kleinmünchen und J. Ginskey in Massersdorf bei Reichenberg mit rei
chen Collectionen in türkischen Mustern und schöner Qualität. Nur ist hier
das Gegentheil von dem oben Bemerkten zu erwähnen, indem die Dessins
häufig in zu grellen Farben und groben Zeichnungen ausgeführt sind.
Es tritt in denselben die räumliche Anordnung der einzelnen Theile
zu stark hervor, geometrische Figuren machen sich als solche geltend,
wie man sich wohl bei ungefügeren Materialien erlauben darf, im Tep
piche aber vermeiden muss. Gebrüder Schau mann in Stockerau
hatten einen grossen, der Erzherzogin Gisela gehörigen Teppich in
Mode und rosa Arabesken und bunten Blumen ausgestellt, der ebenso
wie die beigefügten Proben im Muster als verfehlt zu bezeichnen ist,
wenn auch die Qualität eine ganz vorzügliche zu nennen war.
Die belgischen Smyrnateppiche von Stevens Michel & Co. aus
Brüssel können sich weder in Qualität noch in den Mustern auch nur
annähernd mit den erwähnten messen.
Aus Holland hatte die königl. Teppichfabrik in Deventer
und Jan Henkensfeldt in Delft Smyrnateppiche in guter Qualität und
zum Theil in geschmackvollen Mustern geliefert, andere (der mit dem
grasgrün gemusterten Rande, sowie der mit Bordüren und die zwei
kleinen Blumenteppiche) müssen mehr oder weniger verworfen werden,
der runde Blumentisch ist entschieden ein Monstrum von Geschmacks
verirrung.
Bei Weitem die bedeutendste Ausstellerin in dieser Branche wie
in den meisten, die sie fabricirt, war die berühmte Firma Philipp
Haas & Söhne in Wien. Während die bisher erwähnten Fabriken nur den
gewöhnlichen Smymateppick mit langem, wollenem Flor in grober Ein
stellung imitiren, versuchen sich Haas’ im persischen, indischen und