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Full text: Textil- und Bekleidungs-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 5

Section I. Schafwollenwaaren. Die Teppichfabrikation. 465 
Zimmerausstattung bestimmte Stoffe: für Möbel, Portieren, Ofenschirme 
und Aehnliches, grösstentheils in demselben naturalistischen Geschmacke 
wie Paris und Beauvais: indessen macht sich in neuester Zeit auch ein 
Eingehen auf stilisirte Dessins mit bestem Erfolge geltend. Auf der 
Ausstellung waren vertreten: Braquenie freres mit Darstellungen 
aus der Mythologie und dem Genre; 0. Sallandrouze de Lamornaix 
mit zwei prachtvoll stilisirten Portierenstoffen; F. Duplan & Co. und 
Carlhian&Louvel. In allen diesen Fabrikaten macht sich die gleiche 
Vollendung in der Ausführung, die von der „hohen Schule“ der Gobelin- 
manufactur ausgeht, geltend; vollendete Meisterwerke werden geschaffen, 
die — mag der Kunstkritiker auch über sie wegwerfend urtheilen — 
doch zn den bedeutendsten Denkmälern menschlicher Kunstfertigkeit 
zählen. 
Die Fabrik von Braquenie in Mecheln(Belgien) hatte gleichfalls 
Gobelins und zwar zwei Landschaften und sechs Figuren aus der grie 
chischen Mythe ausgestellt. Erstere reihten sich den französischen Lei 
stungen würdig an, die letzteren standen jedoch sowohl in Zeichnung 
und Farbenzusammenstellung wie in der Ausführung weit hinter den 
selben zurück. 
Im Anschlüsse an die Gobelinfabrikation muss noch die der Savon- 
nerieteppiche erwähnt werden, d. h. die Fabrikation von den die orientali 
schen imitirenden geknüpften plüschartigen Teppichen, wie sie die fran 
zösische Staatsfabrik und einzelne dortige Industrielle in kostbarer Aus 
führung für den höchsten Luxus anfertigen. Dieselbe unterscheidet 
sich von der besprochenen europäischen Nachahmung der asiatischen 
Teppiche dadurch, dass, während bei diesen die Maschen aus freier Hand 
geknüpft werden, dort die Bildung derselben dadurch geschieht, dass 
der Weber ein feines 20 bis 30 cm langes Stäbchen quer über die Kette 
legt, den Faden um dasselbe herum schlingt und an die Kettfäden 
anknüpft. Nachdem eine Reihe Noppen über die ganze Breite des 
Teppichs gebildet ist, werden zwei Schussfäden, welche die Kette lein 
wandartig verbinden,, eingetragen. Das Stäbchen, über das die Nop 
pen geschlungen worden sind, wird nachher herausgezogen und schneidet 
dieselben mit einer an dem einen Ende angebrachten scharfen Messer 
klinge auf. Das Haar wird schliesslich mit einer Handscheere glatt 
geschoren. Diese Stoffe werden gleichfalls auf dem Hautes-lisses-Web- 
stuhl angefertigt, ihre Kette besteht aus Leinen, der Florschuss aus 
feinem Wollengarne, der Grundschuss aus Hanf oder Leinen. Der 
Ursprung dieser Fabrikation geht bis in die Zeit Heinrich’s IV. zurück. 
Dieser König begünstigte auser den flandrischen Teppichen (Gobelins) 
auch die Fabrikation der „tapis de Tui'quie, querins (du Caire?) et 
persiens et autres de nouvelle invention , embelliz de diverses figures 
d’animaux et personnaiges jusqu’a incognues.“ Im Jahre 1627 erhiel 
ten ein gewisser Pierre du Pont und Simon Lourdet ein Privile- 
Wiener Weltausstellung. I. 30
	        
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