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Full text : Textil- und Bekleidungs-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 5

Section  I.  Schafwollenwaaren.  Die  Teppichfabrikation.  471
den  Orientalen  gleichzeitig  die  Grenzen  des  Möglichen  und  Erlaubten
steckt,  wo  Tradition  und  der  naive  Geschmack  in  voller  Wirksamkeit
sind,  bei  uns  Lehre  und  das  Studium  mustergültiger  Vorbilder  eintreten
  müssen.  Was  diese  aber  vermögen,  das  zeigte  die  Ausstellung
auf  zahlreichen  industriellen  Gebieten,  vornehmlich  in  zwei  Ländern:
in  England  und  Oesterreich.  Dieses  hat  sein  Museum  für  Kunst  und
Industrie;  jenes  sein  South  Kensington  Museum;  dass  uns  der  Einfluss
einer  solchen  Anstalt  zur  Zeit  noch  fehlt,  zeigte  die  Ausstellung  in  allen
unseren  Fabrikaten,  —  nicht  zum  geringsten  in  unseren  Teppichen.
Unter  allen  europäischen  Ländern  nimmt  England  in  der  Teppichfabrikation ­
  die  erste  Stelle  ein.  Die  englische  Teppichausstellung  war
ein  Glanzpunkt  der  ganzen  Ausstellung  ;  die  gleiche  Vollendung  herrschte
in  den  Qualitäten,  wie  in  den  prachtvollen,  stilgemässen  Mustern.  Der
naturalistische  Geschmack  ist  hier  fast  ganz  verschwunden,  die  orientalische ­
  Zeichnung  dominirt  vollständig.  Die  Technik  ist  zum  grössten
Theile  die  Jacquardweberei;  in  den  Chenilleteppichen,  die  in  vorzüglichster ­
  Güte  und  Solidität  angefertigt  werden,  herrscht  vielfach  das  Blumenmuster, ­
  wenn  auch  in  gemässigter  Weise.  Obgleich  manche  bedeutenden ­
  Firmen  fehlten  (wir  vermissten  vor  allen  John  Crossley
A  Sons  in  Halifax)  war  die  Auswahl  der  Stücke  doch  eine  sehr  grosse
und  glänzende.  Vor  allen  ist  John  Lewis  in  Halifax  zu  nennen,
dessen  prächtige  Velours-  und  Chenilleteppiche  in  den  trefflichsten
orientalischen  Dessins  das  vollste  Lob  verdienen;  nächst  ihm  James
Templeton  &  Co.  in  Glasgow  durch  ähnliche  gleich  schöne  Qualitäten; ­
  —  J.  &  J.  S.  Templeton  in  Glasgow  mit  einzelnen  Veloursund ­
  Brüsslerteppichen;  —  ferner  Woodward,  Crosvenor  &  Co.,
John  Brinton  &  Co.,  James  Humphries  &  Sons  und  Morton  &
So,ns  aus  Kidderminster,  Henderson  &  Co.  in  Durham,  Watson,
Bontor  &  Co.  in  London.  Thomas  Tapling  &  Co.  in  Glasgow  hatten ­
  einen  schönen  Blumenteppich  und  einen  prächtigen  rothen  mit
Blattformen  geliefert;  Tomkinson&Co.  in  Kidderminster  waren  durch
zwei  etwas  zu  grelle  unruhige  Stücke  vertreten.  Der  Kettendruckteppich ­
  war  von  H.  Widnell  &  Co.  in  Lasswade  bei  Edinburg  nicht
vergessen  worden  ,  wenn  auch  in  dem  diesem  Genre  so  häufig  eigenen
abscheulichen  naturalistischen  Geschmacke  mit  Jagdstücken,  Blumen
und  Aehnlichem.
Nächst  der  englischen  Ausstellung  ragte  die  französische  durch
Reichhaltigkeit,  Farbenpracht  und  Schönheit  der  Qualitäten  hervor.
Der  Geschmack  ist  jedoch  zum  grössten  Theile  ein  anderer  als  der
englische.  Während  hier  das  stilisirte  Muster  dominirt,  herrscht  dort
das  naturalistische  Dessin  in  den  extravagantesten  Formen,  und  zwar
nicht  mit  Zugrundelegung  einer  symmetrischen  Eintheilnng  des  Teppichs,
            
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