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Full text: Textil- und Bekleidungs-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 5

Section I. Schafwollenwaaren. b. Gespinnste etc. 477 
Firmen waren erschienen, die besten Fabrikanten fehlten und die vorhan 
denen Waaren gaben kein Bild von der grossen Mannigfaltigkeit der 
englischen Tuchindustrie, die von dön hochfeinsten Qualitäten herunter 
bis zu den ordinärsten Waaren aus Kunstwolle in unerreichter Vol 
lendung arbeitet. Neuheiten wurden gänzlich vermisst. 
Die englische Tuchfabrikation verfolgt, wie die deutsche, das Ziel, 
eine feine vollständig dichte Verfilzung des Gewebes herzustellen, und 
auf demselben durch vorzügliche Rauherei eine weiche, dichte, dem 
Maulwurfsfelle ähnliche, ganz kurz geschorene Decke zu erzeugen, die 
je nach Verlangen der Kundschaft durch die weitere Appretur matt 
oder glänzend zubereitet wird. Die hochfeinen, aus besten deutschen 
Wollen gefertigten Tuche, welche die Hofschneider H. Poole & Co. in 
London ausgestellt hatten, und die unter dem Namen der West ofEng- 
land cloths bekannt sind, zeigen die ausgezeichnete Vollendung, mit 
der dies Bestreben erreicht wird, aber auch die ausserordentliche Höhe 
der Preise. Die Modewaarenindustrie sowie die ordinärerer tucharti 
ger glatter Stoffe ist vornehmlich in Yorkshire zu Hause. Leeds, 
Huddersfield und andere in diesem Districte gelegene Plätze bilden die 
Sitze einer für die Massenproduction in ausgedehntestem Maasse arbei 
tenden Fabrikation. Die äusserst schwach beschickte Ausstellung liess 
folgende Urtheile zu: 
Die Modewaaren zeigten denselben ruhigen, nüchternen Geschmack, 
der diese Stoffe seit einer Reihe von Jahren auszeichnet. Es sind 
weder extravagante Dessins, noch hervorstechende Farbenzusammenstel 
lungen, sondern einfache, solide, der Mode wenig unterworfene Muster. 
Diese Waaren, die sämmtlich aus der Wolle der schottischen Berg 
schafe (Cheviot) und Colonialwollen gefertigt werden, zeigen die die 
sen Wollen eigenthümliche Härte, sowie grosse Stärke und Solidität, 
wodurch sie sich in allen Ländern eingebürgert haben. Als besonders 
vollkommen ist die Fabrikation der sogenannten Union-cloths hervor 
zuheben. Dieselben bestehen aus baumwollener Kette und ausKunstwol- 
lenmischung gesponnenem Schuss, erhalten die Appretur ganz wollener 
tuchartiger Stoffe, und werden zu äusserst billigen Preisen geliefert. 
Die Farben zeichnen sich durch Güte und besonders durch die Egali 
tät aus, in der die beiden verschiedenen Rohstoffe gefärbt werden. Be 
merkenswerth sind noch die sogenannten Waterproofs, welche in vor 
züglicher Qualität ausgestellt waren. Eine hohe Vollendung hat Eng 
land in der Fabrikation der Flanelle erreicht, die es aus deutschen 
Wollen in grösster Feinheit und in brillanten Farben liefert; durch 
eine Art Decatur, welche die Kette vor der Verarbeitung erleidet, soll 
das häufig lästige Krauswerden dieser Stoffe beim Gebrauch und 
Waschen vermieden werden.
	        
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