478 Gruppe V. Textil- und Bekleidungs - Industrie.
Frankreich. Die Ausstellung Frankreichs war, wenn sie auch
nicht die Grossartigkeit der von 1867 in Paris erreichte, doch eine an
sprechende, ein Bild der Industrie des Landes gebende und durch gute
Firmen und geschmackvolle Waaren repräsentirte. Wenn auch wenig
Hervorragendes in eigentlichen Nauveautestoffen, die wir hauptsäch
lich in Frankreich zu suchen gewohnt sind, erschienen war, und auch
hier ein Verschwinden hochfeiner Waaren, dagegen eine grössere Aus
breitung mittlerer Qualitäten Platz zu greifen scheint, desgleichen
eigentliche Fortschritte in der Fabrikation nicht bemerkbar waren, so
zeigte die französische Ausstellung doch den hohen Standpunkt, den
die Tuchindustrie des Landes einnimmt. Die eigentliche französische
Tuchfabrikation verfolgt ein von dem erwähnten englischen abweichen
des Princip. Sie strebt dahin, dem Tuche mehr einen elastischen,
souplen Charakter zu geben, zu welchem Zwecke das Gewebe aus
fester gedrehten Fäden gefertigt wird, in Folge dessen die durch starke
Rauherei erzeugte Decke weniger mit dem inneren Kerne, dem Woll
filze, verwachsen zu sein scheint. Bei den feinsten Qualitäten wird
dies Ziel am vollkommensten erreicht, während die geringeren Sorten
französischer Tuche nicht mit denen anderer Länder zu concurriren im
Stande sind. Die Verwendung schärfer gedrehter Gespinnste erweist
sich bei Waaren, welche weniger Verfilzung und mindere Bedeckung
des Gewebes verlangen, vortheilhafter als bei Tuchen und tuchartig
bedeckten Stoffen; das Dessin tritt alsdann plastischer hervor, Elasti-
cität und Haltbarkeit werden erhöht, wie es die reichhaltigen Sorti
mente der französischen Abtheilung zeigten.
Die bedeutendsten Fabrikorte Frankreichs: Sedan, Elbeuf, Lou-
viers, \ienne, hatten schöne und instructive Collectivausstellungen
veranstaltet, welche die Eigentümlichkeiten der verschiedenen Indu
striezweige gut zur Geltung kommen Hessen. Sedan lieferte — in der
Ausstellung des Commissionshauses A. Coup ri e & fils — schwarze Tuche
und Satins, glatte und mit Seide gezwirnte Rock- und Hosenstoffe, Rock
stoffe aus Kammgarn, Pelztuche und andere Winterartikel. In der
reichhaltigen Collectivausstellung von El b euf zeichnete sich L.Demar
durch vorzügliche Haute-Nouveautes in Rock- und Hosenstoffen aus,
BellestBenoist&Co. undBlin & Bloch durch mittel- und hochfeine
glatte Tuche und Satins, Elasticotins und Taupelins; Constantin Fla-
v *g n y> Gerin-Rose und Osmont & Lermureaux durch Ratines,
Paletots und Hosenstoffe. Louviers war weniger vertreten; Vienne produ-
cirt meistens geringere Waaren, die sich hauptsächlich durch ihre Bil
ligkeit auszeichnen; Bouvier freres von dort hatten wieder das schon
in Paris aufgetretene höchst geschmacklose Perltuch ausgestellt.
Besondere Erwähnung verdient die Ausstellung der von Fabri
kanten ans Lisi eux gelieferten sogenannten Shoddy-Bukskins. Es sind
dies Waaren, die aus einem Gemisch von Wolle, Baumwolle und Wol-