Section I. Schafwollenwaaren. b. Gespinnste etc. 479
lenabfällen in elastischem Doppelgewebe gefertigt werden, deren Fär
bung im Stücke auf kaltem Wege mit schwachen Farbentinten geschieht,
und welche alsdann durch Drucken mit Mustern bedeckt werden. Diese
Dessins, die in vorzüglicher Schönheit, gestreift und carrirt, in Pleins
und Gallons ausgeführt sind, und die Weberei, ja sogar auf der Rückseite
in täuschendster Aehnlichkeit nachahmen, machen die Stoffe in Verbin
dung mit dem ausserordentlich billigen Preise zu einem sehr verkäuf
lichen Handelsartikel. Selbstverständlich ist ihre Haltbarkeit eine fast
ephemere, und ist nicht zu leugnen, dass sie die reelle Fabrikation
empfindlich schädigen und häufig zu betrügerischen Anpreisungen be
nutzt werden mögen. Immerhin bleiben sie höchst bemerkenswerthe
Leistungen und sind vielleicht die einzigen wirklichen Neuheiten,
welche die Ausstellung in der Tuchbranche bot, wenn auch daran
erinnert werden muss, dass Amerika schon vor circa 15 Jahren ähn
liche Druckstoffe lieferte. Die Firma Th. Grison & Co. tritt als Er
finderin dieser Artikel auf und führt die Manipulationen der Färberei,
Druckerei und Appretur in vortrefflicher Weise für die Lisieuxer Fabri
kanten aus.
Belgien. Die hochentwickelte Industrie Belgiens ist in Folge der
geographischen Lage und der Unbedeutendheit des eigenen Marktes
wie auf anderen Gebieten so auch in der Fabrikation von Tuchen und
tuchartigen Stoffen vorzugsweise auf den Export angewiesen. Es
fabricirt hauptsächlich mittelfeine und ordinäre Waaren aus überseei
schen, meist Buenos Ayres, Wollen, in neuerer Zeit häufig mit nicht
unbedeutender Beimischung von Kunstwollen, und hat sich auf aus
wärtigen Märkten einen guten Ruf erworben. Seit der letzten Aus
stellung ist ein nicht zu übersehender Rückschritt in der Fabrikation
feiner Qualitäten zm constatiren, die mehr und mehr mittleren und ge
ringeren Sorten Platz gemacht haben. Der Hauptsitz der belgischen
Wollenwaarenindustrie ist Verviers und seine Umgebung, dessen Ausstel
lung ein entsprechendes Bild der vielseitigen, geschmackvollen Leistun
gen dieser hochwichtigen Fabrikstadt gab. Dieselbe zeigte Tuche,
Satins, fagonnirte Rock- und Hosenstoffe, Bukskins, Paletotstoffe in
gelungenen Ausführungen, vorzugsweise in geringen und mittleren
Qualitäten. Zu erwähnen sind H. J. Lejeune-Vincent in Dison,
II. Lieutenant, F. Biolley & fils, L. & J. Garot in Verviers und
zahlreiche Andere. Besondere Anerkennung verdienen die vor
trefflichen Fabrikate von J. Simonis in Verviers, dessen hochfeine
Qualitäten fast allein die belgischen Leistungen in der Erzeugung
edlerer Tuchwaaren zur Anschauung brachten. Sehr bedeutend ist in
Belgien die Production von Streichgarnen, die in grossen Quantitäten
vornehmlich nach Deutschland und Schottland exportirt werden. Die
Ausfuhr an Gespinnsten betrug: