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Full text: Graphische Künste, Wiener Weltausstellung Heft 6

626 Gruppe XII. Graphische Künste. 
Maschinen und Arbeitsweisen schlecht. Dieser Fehler äussert sich zum 
Theil ebenfalls bei Principalen, Künstlern und anderen Betheiligten 
und dies verursacht, dass Deutschland neben dem ausserordentlich vie 
len Guten und trotzdem es im Allgemeinen mit seinen Leistungen an 
deren Ländern voraus ist, doch hintansteht, wo es sich um die Lie 
ferung eines vollendeten graphischen Meisterwerks handelt. Gewöhn 
lich fehlt es dann auf einer Seite. Manches schöne Werk wird durch 
weniger sorgfältige Behandlung eines Bogens, den man vielleicht vor 
Feierabend hat fertig bringen wollen, verunstaltet oder das Format ist 
ungeschickt gemacht. Der Yerleger, der an Illustrationen lausende 
gewendet, knappt einige Pfunde an dem Papiere ab, oder, was noch 
schlimmer, spart einige Pfennige pro Exemplar und lässt ein theures 
Buch nicht einmal ordentlich broschiren, sondern die Bogen bloss ein 
hängen, so dass die Blätter, wenn das Buch aufgeschnitten wird, in alle 
vier Winde herumfliegen und das spätere sorgfältige Binden fast zur 
Unmöglichkeit wird. Oder der Buchdrucker will mit der Farbe sich 
einen Yortheil machen, nimmt zu einer rothen Einfassungslinie eines 
Prachtwerkes eine matte Farbe, profitirt vielleicht einige wenige Tha- 
ler und verunstaltet das ganze Werk. 
Vieles trägt zum Mangel an Stil in der deutschen Typographie 
die gemischte Verwendung der Antiqua- und der Fracturschrift hei. 
Es fällt uns nicht ein, hier einen Beitrag zu der Frage: „Ob Fractur 
oder Antiqua?“ zu liefern, wir wollen nur aussprechen, was wohl Nie 
mand in Abrede stellen kann, dass die Verwendung beider Schriften, ; 
nicht allein neben, sondern auch unter einander, der Entwickelung ! 
eines festen Charakters und Geschmackes hemmend entgegensteht. Die j 
Beseitigung der einen oder der anderen Schrift in den germanischen 
Ländern halten wir um so weniger für möglich, weil Viele diese Dop- I 
pelheit für einen Vorzug halten, Viele aus nationalen Gründen dieFrac- | 
tur beibehalten wissen wollen. Die Antiqua kann man einmal nicht, ; 
die Fractur will man einmal nicht entbehren, folglich müssen siebeide 
bleiben; wohl aber Hessen sich einige Regeln aufstellen für die aus 
schliessliche Verwendung der einen oder der anderen, und was gänzlich 
sich vermeiden lässt und vermieden werden sollte, ist die willkürliche 
Untermengung derselben. Beispielsweise, warum wird dem Verlangen 
eines Inserenten nachgegeben, wenn er in einem mit Fractur gedruck 
ten Blatte ein Inserat in Antiqua gesetzt verlangt? Haben die Schrift- 
giesser nicht für genügende Abwechselung gesorgt, um den Satz jeder 
beliebigen Accidenz in einer der beiden Schriftarten liefern zu können ? 
Wozu der bibliographische Zopf, Werke in deutscher Sprache, weil 
mit Antiqua gesetzt, in den Katalogen ebenfalls Antiqua zu setzen? ; 
Wagte man es, sich von solchen Missständen zu emancipiren, so würde 
das auch zur Folge haben können, dass je nach der Natur der Arbeiten 
manche Druckereien sich nur in einer Richtung zu completiren hätten, ,
	        
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