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Full text: Graphische Künste, Wiener Weltausstellung Heft 6

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Gruppe XII. Graphische Künste. 
andere. In Italien, Spanien und Portugal stehen die Leistungen, im 
Ganzen betrachtet, ziemlich auf einer und derselben Stufe des Mittel 
guten, auch nicht selten des Mittelmässigen. Auf der Ausstellung 
gebührte Portugal die Palme insofern, als ein dortiges Geschäft Ar 
beiten sandte, die es mit den besten eines jeden Landes aufnehmen 
konnten; auch Spanien zeigte manches Gute und stand über Italien, 
bei dessen Producten der tiefe Verfall der italienischen Buchdruckerei, 
welcher der Periode der politischen Wiedergeburt und der damit ver 
bundenen Wiedererweckung der typographischen Kunst voranging, mit 
in Berücksichtigung gezogen werden muss, wenn man billig urthoilen 
will. Dass die orientalischen Länder in demselben Verhältniss zu 
Frankreich, wie die slavischeu zu Deutschland stehen, ist fast selbst 
verständlich. Türkei und Aegypten hatten einiges Gute gesandt, doch 
war das Wenigste als nationale Leistung zu betrachten, denn die Aus 
steller sind hauptsächlich Franzosen und arbeiten mit französischem 
Personal und Material. 
Vie in allen anderen Fabrikationszweigen, so zeichnet sich Eng 
land auf dem typographischen Gebiete durch das Gepräge der Solidi 
tät aus. Kein Land wechselt in der Typographie so selten die Mode 
wie England; es behält seine breiten, etwas plumpen, aber sehr leser 
lichen Schriften und vermeidet für gewöhnlich selbst in Accidenzien die 
Anwendung der unzähligen Schriften, die man meistens in Deutschland 
für nothwendig hält. Man kann nicht behaupten, dass die englischen 
Arbeiten durchgängig mit Geschmack gemacht wären, oft ist sogar das 
Gegeiitheil der Fall, aber die Vorzüglichkeit des angewandten Materials, 
die Sauberkeit und Correctheit der Arbeiten lassen uns die Fehler 
gegen den Geschmack nicht unangenehm empfinden oder söhnen mit 
denselben aus, und das Ganze macht gewöhnlich einen befriedigenden 
Eindruck. Leider war die Repräsentation Englands auf der Ausstellung 
eine so durchaus unbedeutende, dass ein Vergleich auf Grund der dor 
tigen Ausstellung unthunlich war. 
Der amerikanische Buchdruck kann keineswegs als ein blosser 
Abklatsch des englischen beträchtet werden und hat sich seine Wege 
selbstständig gebahnt. Was Pressenbau, Stereotypie, Schriftgiesserei 
betrifft, so hat Amerika die Schuld an das Mutterland mit Zinsen ab 
gezahlt und letzteres hat nach mancher Richtung hin die Erfindungen 
des Tochterlandes acceptirt. Wir erinnern nur an die grossen Zeitungs- 
maschinen für runde Stereotypplatten und später für endloses Papier, 
wie an die automatischen Schriftgiessmaschinen. Bei der überwiegenden 
Wichtigkeit des Zeitungs- und des geschäftlichen Accidenzdruckes in
	        
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