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Gruppe XII. Graphische Künste.
recht wohl, dass Tadeln leichter ist als Bessermachen, aber es ist Pflicht,
von der Vergangenheit zu lernen, denn die Reihe der Weltausstellun
gen dürfte noch lange nicht zu Ende sein. Es ist um so nöthiger, die
Aufmerksamkeit immer und immer auf diesen Punkt zu lenken, denn,
nach Wien zu urtheilen, scheinen die Erfahrungen, welche frühere Aus
stellungen an die Hand gaben, bei weitem nicht genügend gewürdigt
zu sein.
Wenn der österreichische Bericht über die Ausstellung in Paris
im Jahre 1867 es als etwas Lobenswerthes von dem deutschen Buch
handel hervorhebt, „dass er seine Bücher sandte, wie sie in den Handel
kommen und es verschmähte, mit der Darstellung des deutschen Gei
stes und seiner Wissenschaft eine Buchbinderausstellung zu verbinden“,
so hat diese Bemerkung nicht eine viel grössere Berechtigung, als wenn
man es rühmen würde, dass ein Gelehrter in einer gewählten Gesell
schaft in nachlässigem Anzuge erscheint, weil es nicht für den Träger
der Wissenschaft passe, die Thätigkeit des Schneiders zur Schau zu
tragen. Ist eine gesunde Seele in einem sorgsam gehaltenen Körper
der Typus eines Menschen wie er sein soll, so ist ein werthvolles Werk
in schönem Gewände jedenfalls das Buch wie es sein soll. Der Miss
brauch kann den Brauch nicht heben. Allerdings kann ein Buch durch
seinen Einband mehr Gegenstand einer Buchbinderausstellung wer
den; weil es aber gebunden ist, ist dies noch lange nicht der Fall.
Die Auffassung, dass eine Ausstellung der graphischen Künste eine Aus
stellung des Geistes der Auserwählten eines Volkes sei, würde, auf die
Wiener Ausstellung angewendet, allenfalls für die Gruppe XXVI., jedoch
keineswegs für die Gruppe XII. gelten. Eine graphische Ausstellung
kann nur zeigen, dass die Hersteller der Ausstellungsgegenstände, mö
gen sie nun Buchhändler, Buchdrucker oder sonstige Gewerbetreibende
sein, es verstanden haben, eine äussere Form für die Production der
Wissenschaft oder der Poesie zu finden, welche dem Inhalte, dem Stand
punkte der Technik und dem Volke, dem diese Geistesproducte ang'ehö-
ren, angemessen und würdig ist. Um dies beurtheilen zu können, ist
es gerade wichtig, dass ein Buch in dem Kleide vorgeführt wird, das
es für die Dauer zu tragen hat. Ein illustrirtes Album muss man in
dem Prachtbande sehen; das für den täglichen Gebrauch bestimmte
Lese- oder Nachschlagebuch möge in einem einfachen soliden Einbande
gezeigt werden. Es liegt gerade vor uns Meyer’s vortreffliches
Handlexicon; man nehme hiervon ein broschirtes und ein gebundenes
Exemplar zur Hand und das Urtheil wird ganz gewiss auf Grund des
letzteren weit günstiger ausfallen. Die Broschüre ist nur das vorläufige
Kleid, sie ist ein Negligeanzug, in welchem sich zwar Jeder, ohnenöthig
zu haben, sich zu schämen, muss sehen lassen können, der aber doch
nicht das Costüm ist, in welchem man sich in die Gesellschaft mischt.
Ein broschirtes Buch kann man als Druckwerk nur nach den vier offen