Einleitende Bemerkungen. 633
vorliegenden Seiten der Sphöndrucksform eines Bogens beurtheilen, auf
welche deshalb auch der Verleger, wo es angeht, die Illustrationen gern
zu concentriren versucht, weshalb die Schöndrucksform sogar oft mit
besserer Farbe gedruckt und zu dieser möglichst die glatte Seite des
Papiers gewählt wird. Die Kehrseite, den Wiederdruck, bekommt man
nicht zu sehen. Nun gehört aber zur Beurtheilung eines Druckes
gerade die Ueberzeugung, ob Schön- und Wiederdruck eines Bogens und
aller Bogen in der Färbung und Zurichtung gleich gehalten, ob das
Register genau steht, ob die Stege für die schliessliche Bestimmung
eines Buches, gebunden in Gebrauch genommen zu werden, gut ein-
getheilt sind, ob die Regeln für die Einrichtung der Abschnitte, der
Capitel, der Noten, des Umbrechens u. s. w. genau befolgt sind; kurz
alles das, was die Beweise liefern soll, ob der Buchdrucker ein tüchtiger
Mann in seinem Fache ist, liegt viel klarer zu Tage in einem gebun
denen, als in einem broschirten Exemplare. Dies mag unwesentlich
für Denjenigen sein, der sich mit den landläufigen Phrasen von dem
wunderschön glatten Papier und der schönen schwarzen Schrift begnügt;
derjenige, der ein Buch vom technischen Standpunkte aus richtig beur
theilen will, kann sich nicht mit diesem Blendwerk zufrieden geben.
Legt man Gewicht darauf, zu zeigen, wie das Buch in den Handel
kommt, so lege man ein broschirtes Exemplar aus, daneben aber ein
gebundenes zur näheren Prüfung.
Wenn der oben erwähnte Bericht dann fortfährt: „In dieser Alt
der Ausstellung kann kein Land unserer grossen Heimath gleichkommen,
ja wir müssen sagen, Frankreich wählte seine Ausstellungsgegenstände
nur nach dem Leder, in dem sie gebunden, ebenso Italien und andere
Staaten, und selbst England ist nicht frei von diesem Vorwurf“, so kön
nen wir solche Worte, die allerdings recht patriotisch klingen, doch
nur als gefahrbringende bezeichnen, weil sie dazu aufmuntern, in natio
nalen Fehlern zu beharren, statt solche abzulegen. Gerade die Fran
zosen beweisen in ihren Ausstellungen den richtigen Pact. Sie stellen
zwar prachtvolle Einbände aus, die bis zu loOO Francs kosten, jedoch
als Buchbind erarbeit. Bücher, die als solche ausgestellt werden,
sind in der Regel in einfachem Halbfranz gebunden, mit keinem oder
mit marmorirtem Schnitt und mit einfachen Rückentiteln. Der Einband
tritt gerade in der französischen Ausstellung nur als das hervor, was
er sein soll, als Schutzmittel, als ein Medium, durch welches erst die
Benutzung eines Buches dem Zwecke entsprechend möglich wird.
Wir halten es für die unbedingte Pflicht eines Berichterstatters,
ohne Völkern oder Personen zu schmeicheln, das, was er für Wahr
heit hält, auszusprechen. Wir bitten deshalb auch nicht erst um Ent
schuldigung, wenn wir uns genöthigt sehen, nach unserer Ueberzeugung
die deutsche Ausstellung und die deutschen Aussteller hier und da zu
tadeln und die Franzosen öfters hervorzuheben. Ein hauptsächlicher