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Gruppe XII. Graphische Künste.
Nutzen der kostspieligen internationalen Ausstellungen besteht ja gerade
darin, die Vorzüge der Concurrenten und die eigenen Schwächen ken
nen zu lernen, da hilft keine Bemäntelung und Selbstüberhebung. Wir
gehen wieder einer Ausstellung entgegen, die für Deutschland eine
nicht zu unterschätzende geschäftliche Bedeutung hat, und die weite
Entfernung des Ausstellungsortes macht eine weit sorgsamere Wahl
der Ausstellungsgegenstände und der Anordnung nöthig. Will Deutsch
land in Philadelphia in einer seiner würdigen Weise seine Production
auf dem graphischen Gebiete geltend machen, so muss es unbedingt
die in Wien erhaltene Lehre beherzigen. Die Ausstellungsweise dort
Hess bekanntlich Vieles, sowohl von Seiten der Aussteller, als in Betracht
der Anordnung zu wünschen übrig. Die Königl. Geheime Oberhof
buchdruckerei K. von Decker, Alex. Duncker und Andere bildeten
mit Porcellangeschirren aller Art ein Ganzes. Vier Nischen (darunter
die von den Stuttgartern eingerichteten zwei) boten den darin Auf
genommenen ein anständiges Quartier, dann verlief sich die Ausstellung
in die XI. Gruppe und tauchte dann wieder in einer Anzahl von zer
streuten Gallerien auf, unter oder über Pianoforten, Pauken und Trom
peten, wo es Einem überlassen war, etwas zu finden oder nicht zu fin
den und zu errathen, wer der Aussteller sei. Karten und Bilder waren
zum grossen Theil in Höhen aufgebängt, welche gar keine Beurtheilung
zuliessen. Grosse Geschäfte hatten es für genügend gehalten, einige
Bücher, eine Stereotypplatte, einen Kupferstich als Druckprobe auszu
legen oder auszuhängen. Oefters sahen die Exemplare so aus, als hätte
man die schlechtesten von der Niederlage geholt, als gut genug für die
Ausstellung. Ein gedruckter Bericht oder irgend ein Nachweis gehörte
zu den Seltenheiten. Dagegen war der deutsche Katalog als muster
gültig, sowohl was Einrichtung als Ausstattung betrifft, zu bezeichnen,
namentlich nachdem er noch mit einem alphabetischen Register ver
sehen worden war, was bei der Zersplitterung in so viele nicht scharf
begrenzte Gruppen und Sectionen und bei der Ordnung in verschie
dene Alphabete, sogar innerhalb der Sectionen, als ein unbedingtes
Erforderniss erschien.
Wie zweckmässig war dagegen die französische Ausstellung von
Seiten der Aussteller und der Commission eingerichtet. Sowohl die
XII. als die XI. Gruppe hatten Platz in zwei mässig grossen zimmer
artigen Räumen, die durch ein Portal mit einander verbunden waren.
Hierdurch wurde die Ausnutzung von acht Hauptwänden möglich. In
der Mitte des einen Raumes befanden sich, der Länge nach gestellt,
die zwei gleichförmig eingerichteten, längliche Vierecke bildenden Aus
stellungsnischen von Marne & fils in Tours und Hachette & Co. in
Paris, mit Front gegen einander. Die je drei geschlossenen Seiten
waren ebenfalls als Wände benutzt. In dem zweiten Raume waren der