Section I. Die Typographie etc. Die Lithographie. 643
thor bildeten zwei an den Seiten abgerundete Bibliothekschränke, welche
die äusseren Seiten der Langwände deckten und über diese hinaus
sprangen. Von den beiden Frontaufsätzen gehörte der rechts Cotta,
der links Hallberger. Die Vitrinen rechts hatten Göschen, Grü-
ninger und Rommel inne, die Wandfläche darüber Hochdanz. Die
Querseite, Vitrinen und Wandfläche, füllten Neff und Metzler aus, die
Pultschränke links nahm Kröner, die Wandfläche Weise in Anspruch.
In Stuttgart war erst Alles zur Probe aufgestellt gewesen. Pläne waren
mitgesandt , auf welchen die Lage eines jeden Buches durch Umrisse
in der wirklichen Grösse bezeichnet war. So war es unmöglich gemacht,
durch falsche Ausstellungsweise die Intentionen der Ausstellenden zu
verderben. Doch war dafür gesorgt, dass der erfreuliche Anblick dieser
Oase in der Wüste nicht ganz ungetrübt blieb. Man hatte für gut befun
den, über die Wandflächen der Stuttgarter Einrichtung, also erst in einer
Höhe von über 4 Meter beginnend, noch Landkarten, Proben eines
neuen polychromen Verfahrens, grosse schwarze Abbildungen von Grab
platten und dergleichen aufzuhängen. Ob man das Recht hatte, in dieser
Weise den harmonischen Eindruck der Stuttgarter Ausstellung zu stören,
wissen wir nicht, nur dass es geschehen. Wir rathen künftigen Aus
stellern, sich, bevor sie miethen, genau zu orientiren, wie hoch ihre
Miethsrechte sich erstrecken, und sich sicher zu stellen, dass nicht ihre
Intentionen zunichte gemacht werden, wenn ihre Ausgaben vielleicht
auch dadurch etwas grösser werden sollten; Aussteller von Sachen aber,
die darauf berechnet sind, gesehen zu werden, mögen sich entweder
ausbedingen, dass diese nicht über eine gewisse Höhe hinaus aufgehängt
werden, oder sie lieber zu Hause lassen. Wir halten es für Pflicht, im
Hinblick auf die Zukunft diese Aeusserlichkeiten ausführlicher zu er
wähnen und kehren nun zu den airsgestellten Gegenständen zurück.
Von der alten berühmten, 1640 begründeten Firma J. G. Cotta
i (Verlagsbuchhandlung, Buchdruckerei, Schriftgiesserei und galvanoplasti
sche Anstalt, ausserdem die Expedition der Allgemeinen Zeitung in Augs
burg umfassend) waren hauptsächlich Pracht- und billige Ausgaben von
Classikern ausgestellt. Einige der ersteren gehören zu den schönsten,
welche die deutsche Buchdruckerei geliefert hat. Von neueren Werken
erwähnen wir die schöne instructive Ausgabe classischer Clavierwerke
von Lebert und Stark mit kritischen Bemerkungen und Lesarten.
Etwas von ihrer Weltbedeutung hat die Firma begreiflicherweise durch
das Erlöschen vieler der Alleinrechte auf die Herausgabe der deutschen
Classiker verloren. Ein Vorwurf kann der Firma kaum erspart werden,
dass sie zur Zeit ihrer Machtfülle nicht dazu beigetragen hat, die deut
sche Typographie genug in Ehren zu halten und den Geschmack für
schöne Bücher zu nähren; ihre sogenannten Schiller-Ausgaben, die von
anderen Verlegern aus merkantilen Gründen nachgeahmt werden mussten,
haben geradezu nachtheilig auf die typographische Entwickelung ge-
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