Section I. Die Typographie etc. Die Lithographie. 651
für die Beurtheilung der österreichischen Typographie ein wesentlicher
Moment gewesen sein. Zu dem im Jahre 1870 erschienenen Jubel
katalog Braumüller’s sind seit derZeit schon sehr bedeutende Nach
träge erschienen. Einzelne Werke aus dem Katalog und der Ausstel
lung hervorzuheben, ist schwer, wir nennen beispielsweise: Sacken’s
antike Sculpturen und Medaillen; Hyrtl’s Blutgefässe; Kaposi’s
Syphilis der Haut; Sehr auf’s Krystallformen; „Das k. k. Museum und die
Kunstgewerbeschule“. Bei aller Eleganz herrscht in denBraumüller’-
schen Artikeln eine edle Einfachheit vor. Der Yerlag selbst beschränkt
sich, wie bekannt, hauptsächlich auf die Naturwissenschaften, jedoch
im ausgedehntesten Sinne. Carl Gerold’s Sohn, Verleger und Buch
drucker, erstreckt seine bedeutende Wirksamkeit fast auf alle Fächer,
doch vorzugsweise auf Werke für die höhere Realschule und das Gym
nasium. Seine Ausstellung umfasste auch den grossen Verlag der
Akademie der Wissenschaften, deren Commissionär er ist. Alle Arbei
ten sind durchweg von guter Ausführung, in einfachem Stil.
Als besonders thätigist die Beck’sche Universitätsbuchhan d-
lung (Alfr. Holder) zu erwähnen. Sie cultivirt fast alle Wissen
schaften. Als ein für Buchdrucker interessantes Factum erwähnen wir,
dass während der Zeit des Arheitermangels in Wien K. Proehaska in
Teschen das Wiener Adressbuch in einem Umfange von über 1000
Seiten in kl. 4°, mitNonpareil drei- und vierspaltig gesetzt, durch Hilfe
von 26 Setzern in vier Monaten für Holder in ganz vorzüglicher
Ausstattung fertig brachte. Ein Unternehmen von Bedeutung ist die
grosse geologische Karte von Oesterreich und Ungarn, die mit einem
Aufwande von 12 000 Gulden hergestellt wurde.
Der militärische Verlag vonL. W. Seidel & Sohn hat selbst etwas
Militärisches an sich und präsentirt sich in fast ganz gleichförmiger
Schrift und gleichem Format in uniformen gelben Umschlägen. Die dazu
gehörenden Tafeln sind hauptsächlich in dem k. k. militär - geogra
phischen Institut ausgeführt. Rud. Lechner (gegr. 1825) hat ein
wesentliches Verdienst um die Herausgabe guter und wohl ausgestat
teter Kinderschriften, ein Zweig des Buchhandels, der früher in Oester
reich sehr vernachlässigt war. Die Winternitz’schen Spiele und die
Fröbel’schen Beschäftigungsmittel werden in Auflagen von 30 000
bis 50 000 Exemplaren abgesetzt. Die J. G. Manz’sche Verlags
handlung pflegt besonders den juristischen Verlag; sie hat in der
letzten Zeit auch mehrere grosse Holzschnitttableaux geliefert. Faesy
& Fr ick sorgen für die Verbreitung landwirtschaftlicher Werke.
Die illustrirten Kataloge dieser Firma sind sehr beachtenswerthe
buchhändlerische Vertriebsmittel. Interessant ist auch der Culturatlas
von Niederösterreich in 24 Blättern. II. Martin hat das Pracht
werk Leitner’s, „Die Waffensammlung des k. k. Artilleriemuseums“,
vortrefflich durchgeführt. Der Druck des Textes durch Holzhausen