Section I. Die Typographie etc. Die Lithographie. 653
in die Sieger’sche Ausstellung gehört haben. L. Sommer & Co. ist
ein vielseitiges Institut, mit Schriftgiesserei und Papierfabrik verbunden
(36 Pferdekraft, 150 Arbeiter), welches ebenfalls nicht mit dem ge
hörigen Nachdruck vertreten war. Seit einem halben Jahre beschäf
tigt es sich auch mit Oelbilderdruek und hat sich zu diesem Zwecke
mit Conrad Grefe, auf den wir später zurückkommen, verbunden.
R. v. Waldheim (gegr. 1835) hauptsächlich Buchdruckerei für perio
dische Schriften, lieferte 37 Jahrgänge der „Bauzeitung“ und die reich
iUustrirten „Blätter für Kunstgewerbe“, illustrirte Werke und Werth
papiere; seine Eisenbahnfahrbücher mit verschiedenen Farben für Tag-
und Nachtzüge sind praktisch und billig, überhaupt zeugen alle Leistun
gen von einem tüchtig geleiteten Geschäfte. Nette Accidenzarheiteu
brachten Leo Fein und F. C. Fischer & Co., Briefe und Couverts mit
Monogrammen lieferte M. Munk. Eine beachtenswerthe Erscheinung
ist die erste Wiener Vereinsbuchdruckerei, eine 1869 mittelst
100 Antheilen gegründete Genossenschaftsbuchdruckerei mit circa 70 r-
beitern. Diese Anstalt gedeiht und gilt allgemein für eine gut geleitete
und nach rationellen Grundsätzen arbeitende. Einige ihrer Erzeugnisse,
z B ein Tableau zur Geschichte des Geschäfts, ihre Jahresberichte u. s.w.
lassen nichts zu wünschen übrig; der Hauptgegenstand ihrer Ausstellung,
die Zeitschrift „Der Floh“, konnte jedoch ihr Renommee nicht mehren.
Eine Druckerei in einer Stadt wie Wien, mit Einer Handpresse
und mit Einem Arbeiter, die 10 Jahre an einem Werke druckt, dürfte
fast selbst als Curiosum einen Ausstellungsgegenstand bilden; eine
solche ist die von Heinr. Reiss, welche das bekannte MiSSale
Romanum mit etwa 90 Miniaturen, von H. Knöfler für den Holz
schnittfarbendruckgeschnitten, ausstellte. Zu der Herstellung eines sol
chen Bildes wurden bis zu 15 Platten benutzt, vorzüglich sind die beiden
Titelblätter, das Abendmahl und Christus am Kreuze. So schon wie
die Miniaturen sind, so wenig ist die sonstige Ausführung des Werkes
dieses Schmuckes würdig. Papier, Schrift, Farbe, Druck des Tex es
sind ungleich, zum Theil äusserst mangelhaft, und die Jury war es-
halb nicht in der Lage, dem Herrn Reiss dieselbe unbedingte Aner
kennung aussprechen zu können, die sie dem Herrn Kno fler und den
Herren Paar und Biherhofer für ihre Arbeiten für die Werke des
Hrn. Reiss zu Theil werden liess. Unterschätzen darf man deshalb jedoch
nicht die langjährigen Anstrengungen des Herrn Reiss, die von dem
Haupte derkatholischen Kirche besonders ehrenvoll ausgezeichnet wurden.
(Wir erwähnen noch, dassHerr Reiss sich veranlasst gefunden hat, das
ihm zuerkannte Anerkennungsdiplom mit Entrüstung zuruckzuweisen).
Zuletzt kommen wir in der That zu einer Druckerei mit einer
Presse als Ausstellungsgegenstand, jedoch Presse und Presse sind
zweierlei. Eine besondere Anziehungskraft auf das Publicum übte
täglich in den Stunden von 4 bis 6 Uhr ein starkes Klappern, welches