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Full text: Graphische Künste, Wiener Weltausstellung Heft 6

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Gruppe XII. Graphische Künste. 
aus dem schönen Pa villon der Neuen FreienPresse erscholl, denn 
dieses zeigte an, dass der Druck der „Internationalen Ausstellungszei- 
tung“ begonnen habe. Vor den Augen des Publicums wurde hier die 
Zeitung gesetzt, stereotypirt, gedruckt und gefalzt , und es bereitete 
Jedem Freude, das frisch gedruckte Blatt als Erinnerung mitnehmen 
zu können. Der Laie erhielt ein sehr hübsches, allerdings etwas ideales 
Bild von der Wirksamkeit einer der Küchen, wo seine tägliche geistige 
Nahrung zubereitet wird. Nichts konnte ihm dort den Appetit ver 
derben. DenEigenthümern desBlattes f den HerrenMichael Etienne 
und Ad. Werthner, welche im Verein mit dem jetzt verstorbenen 
Dr. Max Friedländer das Blatt am 1. September 1864 gründeten, 
gebührt um so mehr der Dank des Publicums für ihr Ausstellungsunter 
nehmen, weil es mit bedeutenden Opfern für sie verbunden gewesen 
sein soll. Der Fachmann besuchte natürlich noch lieber die vortreff 
lich eingerichtete Druckerei des Blattes in der Fichtegasse, wo zwei 
ähnliche Maschinen, welche dort nicht mit einem Falzapparate verbun 
den sind, stündlich je 6000 bis 7000 vollständige Exemplare eines 
Bogens von 48 X 36 Zoll liefern. Durch separate Falzmaschinen und 
alle mechanischen Erleichterungen unterstützt, arbeitet dort ein Per 
sonal von etwa 150 Mann, um die Morgen- und Abendausgabe des 
Blattes in» 30 000 bis 40 000 Exemplaren fertig zu stellen. Die 
Besprechung der Sigl-Reisser’schen Mas'chine gehört nicht an die 
sen Ort. 
Aus den Provinzen war die Ausstellung im Ganzen sehr schwach 
beschickt, nur Böhmen und Mähren waren einigermaassen vertreten. 
Von der Actiengesellschaft Bohemia für Papier- uud Druck 
industrie (früher die alte berühmte Firma Gottl. Haase Söhne) in 
Prag hätte man vielleicht eben jetzt etwas Bedeutenderes erwarten 
können. Ein Album, welches ein Bild des Kaisers Franz Joseph in 
Zinkographie und Farbendruck von seinem ersten Entstehen ab durch 
17 Farbenabstufungen zeigte, war weder, was Zeichnung noch Farben 
gebung betrifft, eine Musterleistung; auch genügten einige gute gal 
vanoplastische und einige Accidenzarbeiten nicht, um ein Bild von der 
Bedeutung der Anstalt zu geben. Mit Befriedigung müssen wir zwei 
an Umfang kleinere Institute Prags erwähnen: die polygraphische An 
stalt von C. Farsky, welche namentlich vortreffliche lithographische 
Accidenzarbeiten lieferte, und Ign. Fuchs (auch in Wien), dessen 
Arbeiten sich fast durchweg durch guten Geschmack auszeichneten. 
Ein Prachtstück war das bis jetzt nur in einem Exemplar vorhandene 
Tableau: Die österreichische Volkshymne mit allegorischen Bandzeich 
nungen, vortrefflich in Farbendruck ausgeführt. Beachtenswerth waren 
ebenfalls die Transparentplacate. Die verschiedenen transparenten 
Farben werden strichweise auf das Papier aufgetragen und dann über 
das Ganze ein schwarz eingefärbter Stein, in welchem die Schriften
	        
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