658 Gruppe XII. Graphische Künste.
giebt schon die Aufzählung der Ausstellungsgegenstände einen Begriff:
368 gebundene Gebetbücher, Schulbücher und Musikalien, 6 grosse
Bildermusterbücher, 6 Wandtafeln mit Bildermustern von chromographischen,
gestochenen oder typographisch gedruckten Platten, 4 Stereotyp-
und galvanische Platten etc. Die Monstranzen, Rosenkränze und
Parament-Arbeiten wollen wir unerwähnt lassen. Das Etablissement in
Einsiedeln (das Haus hat ausserdem Filialen in Newyork und Cincinnati)
beschäftigt 712 Arbeiter, davon im Hause 605. Es verfügt über
eine Dampfkraft von 56 Pferden, über 18 Schnellpressen, 13 Handpressen,
9 Glatt- und Satinirwerke, 7 Kupferdruckpressen mit Dampfbetrieb
und galvanischer Einrichtung mit 60 Batterien. Die Buchbinderei,
nach amerikanischer Art eingerichtet, hat 40 diverse Maschinen,
von welchen mehrere bisher in Europa nicht bekannte, und beschäftigt
314 Arbeiter. Ueber 250 Verlagsartikel sind in Stereotypen oder
galvanischen Platten auf Lager, dazu 500 Original-Stahlstichplatten, 4S00
galvanische Kupferdruckplatten, 10 000 Platten für sonstigen Bilderdruck,
6500 Cliches von Holzschnitten, 250 Ausprägeeisen und dergleichen
mehr. Kosthäuser, und Cassen sind mit der Anstalt verbunden,
die auch eine Bibliothek für Verlagszwecke von 6000 Bänden besitzt.
Die jährliche Fabrikation hat einen Werth von etwa anderthalb Millionen
Franken.
Wir haben es hier nicht mit der Beurtheilung der Richtung, welche
diese Firma verfolgt, zu thun und haben nur zu constatiren, dass sie
die Aufgabe, die sie sich gestellt hat, vortrefflich löst. Durch alle ihre
Erzeugnisse geht ein Streben, auch das Billigste gut zu liefern. Alle,
selbst die manchmal fabelhaft wohlfeilen Ausgaben, sind höchst sauber
gedruckt, sowohl die in Antiqua als die in Fractur, und nett gebunden.
Ihre Chromolithographien und Chromotypien sind für den Zweck höchst
respectable Leistungen. Die Firma zeigt einen grossen Eifer, sich alle
neuen Verfahren dienstbar zu machen. Ihre Vergrösserungen und Verkleinerungen,
ihre Uebertragungen von Stahlstich und Lithographie
für den Druck auf der Buchdruckerpresse gehören zu dem Besten, was
wir in dieser Richtung gesehen haben. Wir erwähnen unter anderen
den Stahlstich „An der Klosterkirche“, gemalt von A. Siegert und
gestochen von F. Binger. Einen strengen Vergleich halten jedoch
diese Nachbildungen insofern nicht aus, als weder die Kraft noch die
Zartheiten des Originals wiedergegeben werden können; für das grössere
Publicum wird jedoch kaum ein grosser Unterschied zwischen beiden
zu entdecken sein. Wir haben uns um so eher bei dieser Firma etwas
länger aufgehalten, weil sie zum ersten Male ausgestellt hatte und weil
es mit erhöhten Schwierigkeiten verbunden gewesen sein muss, solche
bedeutende Resultate in einem abgelegenen Bergstädtchen von 4000 Einwohnern
zu erzielen, was auch vollständig von der Jury der XII. Gruppe
anerkannt wurde.