Section I. Die Typographie etc. Die Lithographie. 659
Die Niederlande und Skandinavien. In der Ausstellung der
Niederlande begegneten wir zuerst der historisch berühmten Firma
Joh. Enschede & Söhne in Harlem. Nicht ihre Werthpapiere, Gal
vanoplastik und Stereotypie sind es, die uns besonders fesseln, sondern
ihre historische Schriftprobe. Was die Familie, deren Haupt, Isaac
Enschede, um 1703 das Geschäft gründete, für die Schriftgiesserei
geleistet hat, seitdem der Sohn Isaac’s, Johannes, im Jahre 1743
die Schriftgiesserei des Hendrik Floris Wetstein kaufte, überschaut
man hier mit einem Blicke; namentlich sind es die Arbeiten J. M.
Fleischmann’s und Joh. Fr. Rossart’s, sowie die Erwerbungen von
den Schriften Blaeu’s und der Elzeviere, durch welche der Katalog
geziert wird. Leider achtete man zu Anfang dieses Jahrhunderts diese
Schätze nicht genügend und eine grosse Anzahl von Stempeln wan-
derte ins alte Eisen und die Matern in den Schmelztiegel, so dass von
manchen Schriften nur kleine Quantitäten übrig blieben, um damit
einige Wiederabdrücke für Liebhaber zu veranstalten, die namentlich
von Edwin Tross in Paris herausgegeben wurden. Einige der hol-
ländisch-gothischen Schriften befanden sich in der Carl Tauchnitz’-
schen Officin und sind jetzt in den Besitz von W. Drugulin in Leip
zig übergegangen.
Yon den noch in Wien repräsentirten Firmen zeichnen sich E. J.
Brill in Leyden, Kemink & Sohn in Utrecht und A. W. Sythoff
in Leyden, alle mit Werken in fremdländischen, namentlich in ost
asiatischen Sprachen aus, in welchen Holland auf Grund seiner Colonien
immer einen Vorsprung hatte. Zu bedauern bleibt es, dass die in die
ser Richtung sich auszeichnende Schriftgiesserei von N. Tetterodein
Amsterdam, missgestimmt darüber, dass sie auf früheren Ausstellungen
ganz unbeachtet geblieben war, sich von der Wiener Ausstellung fern
gehalten hatte. Eine bedeutende Zahl von wissenschaftlichen Artikeln
stellte ebenfalls J. B. Wolters in Groningen aus. Die Werke aller der
Genannten sind, wenn auch nicht hervorragende typographische Erschei
nungen, so doch, wie fast alles, was von dort kommt, sehr sauber und
tüchtig ausgeführt.
Unsere nördlichen Nachbaren hatten die Ausstellung fast im Stich
gelassen. Norwegen war gar nicht, Schweden nur durch P. A.
Nordstedt & Söhne vertreten, eine Buchdruckerei- und Buchhändler
firma, die es mit den guten Firmen Deutschlands aufnehmen kann.
Die „Frithjofssage“ mit Illustrationen von Malmström, und „Jesus im
Tempel lehrend“ beweisen, dass illustrirte Ausgaben dort geliefert wer
den können. Die Schriftgiesserei- und galvanoplastischen Arbeiten wa
ren tadellos. Dänemarks bedeutendste, mit 11 König & Bauer’-
schen Schnellpressen arbeitende Buchdruckerei, Gebr. Thiele, hatte
nicht ausgestellt; die ebenfalls den Verhältnissen nach umfangreiche
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