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Full text: Graphische Künste, Wiener Weltausstellung Heft 6

Section I. Die Typographie etc. Die Lithographie. 673 
als dass man im Gefühl dessen, was man leisten kann, es nicht für nötbig 
oder opportun gehalten hatte, sich in einen Wettkampf einzulassen. 
Wer die typographische Ausstellung Englands suchte, hatte nur 
nöthig, dem Gesuche von Sohlleder und Juchten nachzugehen und 
konnte sicher sein, das Ziel zu erreichen. Wenn nicht erfreut, so 
konnte er wenigstens erbaut werden, denn die mit beweglichen Flügeln 
versehenen Ausstellungsäulen von der British and Foreign Bible 
Society und der Religious T ract-Society, sowie der Schrank der 
Sunday School Union brachten Erbauungsbücher in Hülle und 
Fülle. Die Erzeugnisse i dieser Anstalten sind so bekannt und so oft 
besprochen, dass wir sie hier um so eher übergehen können, als sie 
mehr in das Ressort der XX\ I. Gruppe gehören. Als ein Beweis, dass 
die Engländer nicht geizen, wo es sich um die Unterstützung wohl 
meinender christlicher Bestrebungen handelt, erwähnen wir, dass die 
Bibelgesellschaft im Jahre 1872 205 213 Pf. St. 6 sh. 1 d. verausga 
ben und 2 592 936 Heilige Schriften verbreiten konnte. Seit ihrem 
Entstehen verlegte sie über öS 1 /^ Mill. Schi'iften, mit einem Aufwande 
von nahe an 7 Vs Mill. Pf. St. Die Anstalt selbst hat keine Buch 
druckerei, sondern lässt im In- und Auslande ihre Schriften drucken. 
Streng genommen war das eigentliche typographische Geschäft 
fast nur durch eine Firma vertreten: Grant & Go. in London. Ein 
mächtiges, sechs Stock hohes Gebäude in Turn mill Street umschliesst 
dieses Etablissement. Eine Dampfmaschine von 100 Pferdekraft dient 
als Motor für die vielen Maschinen, darunter lithographische Schnell 
pressen, welche Bogen von 60 X 40 engl. Zoll drucken. Hauptkun 
den sind die grossen Versicherungsgesellschaften Englands, Frankreichs 
und Nordamerikas, ferner einige und sechzig grosse Brauereien, von 
welchen beispielsweise eine jährlich 80 Mill. Etiquetten drucken lässt. 
Die Promptheit, verbunden mit Güte der Arbeit, veranlassen manche 
Pariser Häuser, bei Grant & Co. arbeiten zu lassen. Auf eine Specia- 
lität der Firma, den Druck von Placaten, namentlich auf Blech, kom 
men wir später zu sprechen. Der Illustrationsdruck wird von der 
Firma nicht vernachlässigt, wie das von ihr gedruckte und verlegte 
Prachtwerk Dore’s: London, a pUgrimagebeweist, dessen Illustrationen 
zu den besten gehören, während die Schrifteinrichtung weniger befrie 
digend ist. Ein nicht uninteressantes Ausstellungsstück war der illu- 
strirte Ausstellungskatalog der berühmten Electroplates manufacturers 
El kington & Co., einer der luxuriösesten Kataloge, doch ist auch 
hier der Schriftdruck nicht ganz befriedigend. Die farbigen Placate 
zeichnen sich durch reinen Druck, brillante Farben und sehr gute Ver 
goldung aus, einige darunter sind von ganz ungewöhnlicher Grösse. 
Die Arbeiten von J. M. Johnson & Sons in London, darunter der 
Ausstellungskatalog, sind solid und tüchtig, jedoch ohne hervorragende 
Wiener Weltausstellung. I. 48
	        
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