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Full text : Graphische Künste, Wiener Weltausstellung Heft 6

676

Gruppe  XII.  Graphische  Künste.
vember  1871,  war  zugleich  ein  Tag  des  Triumphes  für  seine  Erfindung, ­
  denn  die  Lithographie  hat  nicht  allein  auf  dem  Gebiete  der
eigentlichen  Kunst  ausserordentliche  Siege  errungen,  sondern  sie  bereitet ­
  auch  der  Typographie  in  mancher  Beziehung  eine  schwer  zu
bestehende  Concurrenz,  die  hauptsächlich  in  der  Vervollkommnung  der
Umdruckverfahren  und  in  der  allgemeinen  Verbreitung  der  lithographischen ­
  Schnellpresse  ihre  Hauptstützen  fand,  durch  welche  jetzt  die
Möglichkeit  gegeben  ist,  die  Billigkeit  und  Schnelligkeit  der  Typographie ­
  zu  erreichen,  mitunter  sogar  zu  übertreffen.
Die  Buchdruckerei  versuchte  zwar  eine  Zeit  lang,  der  Lithographie ­
  wieder  Terrain  abzuringen;  man  lieferte  Zierschriften,  Einfassungen, ­
  Züge  und  dergleichen  in  grossen  Massen,  darunter  Manches,  was
längst  „ins  Zeug“  gewandert,  Manches  jedoch,  was  Bestand  hatte.
Allein  die  riesig  wachsende  Industrie  mit  ihren  unendlich  vielen,  halb
Nothwendigkeits-,  halb  Luxusartikeln,  der  steigende  Geschmack,  die
mit  der  Lithographie  verbundene  leichtere  Anwendung  des  Farbendruckes ­
  und  die  grössere  Freiheit  der  Behandlung  verhalfen  der  Lithographie ­
  zu  manchen  Siegen  auf  dem  Felde  der  sogenannten  Accidenz-^rbeiten.
  Verdrängen  konnte  sie  andererseits  den  Buchdruck  ebensowenig, ­
  hauptsächlich,  weil  die  Gleichmässigkeit  und  Leichtigkeit  in
der  Herstellung  der  Textschrift  durch  die  Typographie  nicht  von  iln
erreicht  werden  konnte.  Aus  diesem  Kampfe  entstand,  wie  so  oft,
wenn  die  Gegner  gegenseitig  ihre  Kräfte  schätzen  gelernt  haben,  ein
Bündniss,  von  welchem  Beide  den  Vortheil  hatten.  Denn  wir  sehen
jetzt  die  mannigfachsten  graphischen  Künste  einträchtig  für  die  Herstellung ­
  der  verschiedensten  Arbeiten,  je  nach  ihrer  Eigenart,  Zusammenwirken; ­
  jede  kann  ihre  eigenen  Vorzüge  geltend  machen,  jede
kann  die  Vorzüge  der  anderen  benutzen.  Deshalb  vereinigen  grössere
typographische  Etablissements  jetzt  gewöhnlich  mehrere  der  graphischen ­
  Branchen  und  stellen  dadurch  Arbeiten  her  für  die  Zwecke  der
Bildung,  des  Unterrichts  und  der  Gewerbe,  daneben  Werthpapiere  und
Accidenzien  aller  Art,  in  einer  Vollkommenheit,  wie  sie  durch  Hilfe
nur  einer  einzigen  der  graphischen  Künste  nicht  zu  erreichen  gewesen ­
  wäre,
Und  doch  stehen  wir  augenblicklich  erst  am  Ausgangspunkte
einer  neuen  Aera.  Gutenberg’s  Kunst  hat,  indem  sie  der  Menschheit ­
  durch  das  Licht  der  Kenntnisse  zu  der  Macht  über  das  physische ­
  Licht  verhalf,  es  dahin  gebracht,  dass  dieses  nun  wieder  der
wichtigste  Factor  zur  Verbreitung  des  geistigen  Lichtes  geworden.
In  der  Sonne  ist  eine  Mitarbeiterin  den  graphischen  Künsten  entstanden ­
  ,  der  zu  weichen  selbst  dem  Altmeister  der  Kunst  keine  Unehre
bringen  würde.  Die  Photographie,  die  Heliographie  in  Verbindung
mit  der  Hochlegung  der  durch  erstere  gewonnenen  Bilder,  sind  Kräfte,
welche  denen  des  Hercules  in  der  Wiege  gleichen;  sie  zeigen  sich  schon
            
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