Section I. Die Typographie etc. Die Lithographie. 683
England, d. h. London, ist berühmt wegen seiner Farbendrucke,
und leistet besonders in der bei den Engländern so beliebten und gepfleg
ten Aqnarellmanier das Beste, was sieb überhaupt leisten lässt. Ausser
den eigentlichen Verlegern ist es namentlich die Arundel Society,
die sich hauptsächlich durch Nachbildungen classischer Gemälde ver
dient macht. Ein grosser Theil der schönsten Blätter dieser Gesell
schaft ist jedoch von Storch & Kramer in Berlin ausgeführt. Auch
Thierstücke gehören zu den Liebhabereien des englischen Publicums.
Die hohen Preise, die dasselbe gern zahlt und der grosse überseeische
Markt gestatten den Verlegern und Druckern, mit der Plattenzahl ver
schwenderisch umzugehen. Sehr zu bedauern war es, dass England auf
der Ausstellung so gut wie unrepräsentirt war, sonst wäre die Branche
der Chromolithographie so ziemlich complet in Wien zur Anschauung
gebracht worden. Nur John Day hatte einige gut ausgeführte, aber
wenig ansprechende Bilder gesandt. Die naturwissenschaftlichen Wand
tafeln von W. & A. K. Johnston in Edinburgh fielen der Beurtheilung
der XXVI. Gruppe zu.
Frankreich producirt verhältnissmäsig weniger Oelfarbendrucke
als Oesterreich und Deutschland und übertrifft in der Güte diese nicht,
ist dagegen qualitativ und quantitativ voraus in der Verwendung des
Farbendruckes zur Illustration von Druckwerken aller Art, namentlich
über Architektur und Kunstindustrie. Die grossen Unternehmen von
Dido t, Morel und Anderen, wie wir sie schon oben genannt haben, die
Werke über Geräthe und Porcellansammlungen, ja selbst Kochbücher ent
halten Meisterwerke des Farbendruckes, was correcte Zeichnung, tech
nische Durchführung und Naturtreue des Colorits betrifft. Auch in
der Verwendung des Farbendruckes für die unzähligen Gegenstände
der Papeterie dürften die Franzosen noch einen, wenn auch nicht
mehr so grossen Vorsprung wie früher haben.
Von der französischen Lithographie zu sprechen, ohne obenan die
Firma Lein ercier & Co. zu nennen, wenn diese auch von dem eigent
lichen Oelbilderdruck sich fern hält, geht kaum. Was von Claye als
Buchdrucker, gilt noch mehr von Lemercier als Lithograph: die Aus
stellung der Pariser Verleger ist auch die Ausstellung Lemercier’s.
Er hatte deshalb für seine Person nur ein Album gesandt, aber welch’
eine Quelle reinsten Genusses und lehrreichen Studiums. Mit einem
Text dazu wäre es das grossartigste Lehrbuch über alle zur Verwem
düng kommenden Methoden. Den Anfang bilden die Schwarzdrucke,
man ist fast versucht zu sagen: die farbigenSchwarzdrucke in allen
Manieren, in den zartesten Contouren, in Halbtönen, indem intensivsten
Schwarz. Darauf folgen die Ueberdrucke und die Autographien. Ge
wöhnlich verbindet man mit dem Worte Autographie den Gedanken an
geschäftliche Kundschreiben, allenfalls Situationspläne in Umrissen oder