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Full text : Graphische Künste, Wiener Weltausstellung Heft 6

688

Gruppe  XII.  Graphische  Künste.
nur  eine  sehr  bescheidene  Zahl,  die  wir  hier,  soweit  es  nicht  schon  geschehen ­
  oder  in  dem  Abschnitt  des  Berichts  über  die  III.  Section  noch
geschehen  wird,  der  Vollständigkeit  halber  zu  erwähnen  haben.
.  Bereits  in  der  letzten  Pariser  Weltausstellung  war^n  Karten  in
77  verschiedenen  Manieren  gezeichnet  und  in  den  verschiedensten
Druckverfahren  ausgestellt.  In  den  seitdem  verflossenen  Jahren  sind
gerade  ganz  besondere  Fortschritte  gemacht,  sowohl  in  der  Manier
als  in  dem  Verfahren,  namentlich  hat  die  Anwendung  der  Heliographie
und  die  Verwandlung  der  Tiefdruckplatten  in  erhabene  einen  neuen
Weg  gebahnt,  welcher  der  Herstellung  von  Karten  einen  neuen  Aufschwung ­
  zu  gehen  bestimmt  scheint.  Auch  die  Methode,  durch  Anwendung ­
  verschiedener  Schraffirungen  und  Aetzungen  mit  wenigen
Steinen  eine  Menge  von  Farbeneffecten  hervorzubringen,  wird  vielfach,
ganz  besonders  in  den  Niederlanden  (Procede  Eckstein)  geübt.  Die
Schichtlegung  ist  viel  verbreiteter  und  methodischer  geworden,  und  man
ist  bestrebt,  ein  wirkliches  naturgetreues  Bild  zu  gehen.  Ein  neues
Verfahren  ist  ferner  die  Verbindung  der  Plastik  mit  der  Photographin
indem  erst  ein  Relief  gebildet  wird  und  dies  dann  wieder  durch  Photographie ­
  übertragen  und  durch  Schraffirung  vervollständigt  wird.
Von  der  Generaldirection  der  Ausstellung  waren  bekanntlich  Karten ­
  zur  Veranschaulichung  der  Cultur-  und  Gewerbeverhältnisse  aller
Länder  gewünscht,  die  in  Verbindung  mit  den  nöthigep^  statistischen
Tabellen  sehr  geeignet  gewesen  sein  würden,  die  Kenntnisse  ausserordentlich ­
  zu  bereichern.  Dem  Wunsche  der  Direction  ist  jedoch  so
gut  wie  nicht  entsprochen.  Gerade  bei  solchen  internationalen  Unternehmungen ­
  würde  es  sich  herausgestellt  haben,  wie  wünschenswerth
ein  einheitliches  System  der  Kartenzeichnung  gewesen  sein  würde,
welches  Jedem  so  zu  sagen  die  Ablesung  einer  Karte,  wie  die  eines
Musikstückes  durch  Noten,  möglich  machte.  Proben  eines  solchen
Systems  wurden  von  dem  k.  k.  Oberstlieutenant  Joh.  Roskiewicz
vorgelegt  und  die  Grundzüge  seines  Systems  in  einer  Broschüre  entwickelt, ­
  auf  welche  wir  hiermit  aufmerksam  machen  wollen 1 ).  Ist  der
Gedanke  durchführbar,  so  wird  er  in  einer  so  praktischen  Zeit  wie  der
unserigen  nicht  zu  Grunde  gehen.
Von  den  Kartenausstellern  in  der  XII.  Gruppe  ist  zu  nennen  aus
DeutschlanddasBerliner  Lithographische  Institutvon  Jul.Moser
  (gegründet  1860,  60  Personen).  Dasselbe  arbeitet  für  fremde  und
eigene  Rechnung  und  lieferte  eine  Anzahl  bedeutender  Blätter,  hauptsächlich ­
  vom  Rechnungsrath  G.  Liebenow  gezeichnet.  Die  grossen  Kartenverleger ­
  Just.  Perthes  in  Gotha,  Carl  Flemming  in  Glogau,  Dietr.

i)  Die  Terraindarstellung  mit  Rücksicht  auf  zu  erzielende  Einheitskarten
von  J.  Roskiewicz.  Wien  1873.
            
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