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Full text: Graphische Künste, Wiener Weltausstellung Heft 6

Section I. Die Typographie etc. Die Lithographie. 691 
österreichischer Meister geschmückt zu werden. Das Dedications- und 
das Schlussbild lieferte Joh. N. Geiger; ein Landschaftsbild, die vier 
Stammburgen des Kaisers, Franz Alt; die herrlichen ornamentalen 
Randverzierungen in wundervoll harmonischer Abwechslung, die, weit 
entfernt, den Stich in Schatten zu stellen, diesen nur noch hervorhoben, 
Franz Gera sch. Es ist hiermit ein Prachtwerk geschaffen, zu wel 
chem vielleicht nur ein Pendant existirt in dem „Missale“, welches der 
Kaiser Franz Joseph dem Papste schenkte und das auf der Pariser 
Ausstellung gleichfalls grosses Aufsehen erregte. Wie wir erfahren, 
wird das Werk dem grösseren Publicum durch eine chromographische 
Reproduction, zu welcher der Kaiser dem Verleger die Erlaubniss ge 
geben, zugänglich gemacht. 
Ein anderes bereits seit drei Jahren dem Publicum gehörendes 
musikalisches Prachtwerk müssen wir, ehe wir an die Aufzählung der 
ausstellenden Firmen gehen, noch besonders erwähnen, nämlich die von 
der Firma J. Rieter-Biedermann in Leipzig und Winterthur ver 
anstaltete Jubelausgabe von „Fidelio“. Notenstecherei (C. G. Röder); 
Buchdruckerei (Giesecke & Devrient); zeichnende Kunst (M. 
v. Schwind); Kupferstichkunst (H. Merz und G. Gonzenbach); 
Buchbinderei (G. Herzog, die Ornamente gezeichnet von F.A. Baum- 
garten) haben alle mitwirken müssen, um eine monumentale Ausgabe 
ans einem Guss zu schaffen, wie wir sie selten finden. Aus keiner Ecke 
guckt der Pferdefuss des Sparsystems in Kleinigkeiten, gegen welches 
wir öfters zu eifern Gelegenheit hatten, hervor. 
Aus Deutschland hatten ferner ausgestellt: B. Schott Söhne aus 
Mainz, Fr. Kistner aus Leipzig, C. F. Peters aus Leipzig, Letzterer 
namentlich durch seine ebenso zahlreichen als wohlfeilen Ausgaben der 
cla.ssischen Musikwerke, von welchen das Eigenthumsrecht Einzelner 
erloschen ist, bekannt. Aus W ien: Fr. Schreiber (vorm. C. A. S p i n a), 
C. Haslinger, J. P. Gotthard, Ad; Bösendorfer; aus Pest 
Taborsky & Parseh. Aus Frankreich ist zu nennen das Haus 
H. Lemoine, das älteste, 1780 gegründete Musikgeschäft in Paris, 
das, durch vier Generationen gegangen, jetzt im Besitz des Herrn 
Achilles Lemoine sich befindet, der Verleger und Drucker zugleich 
ist. Seine Platten, hauptsächlich in Kupfer, und seine Umdrucke sind 
im Ganzen gut, die Ausstattung seiner Diamantausgabe der Classiker 
eine vorzügliche. Sein: Pantheon des Pianistes, von welchem circa 2 Mil 
lionen Hefte verbreitet sind, haben viel zur Popularisirung der Musik 
in Frankreich beigetragen. Aus Mailand stellten ausTit. Ricordiund 
Johanna Lucca; aus Padua P. Prosperini. Die Verlagswerke von 
Augener&Co. aus London waren vorzüglich ausgestattet; wir erwäh 
nen als Beispiel Pauer’s Edition of the Classics. Aus St. Petersburg 
hatten W. Bessel & Co., aus Moskau Peter Jürgensen ausgestellt. 
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