Section II. Graveur- u. Guillochirkuust. Xylographie. 693
schwierig durchzuführen als erwünscht ist. Zwar geschehen seitens
der renommirtesten Schriftgiessereien Deutschlands ernsthafte Schritte
zu immer weiterer Verbreitung des französischen Punktsystems, jedoch
sind die Aussichten für eine allgemeine Einigung noch weit ausschauend
und wird eine solche nur succesive möglich werden durch die sich neu
etablirenden Buchdruckereien und das Aussterben der älteren.
Auf die Härte des Schriftmetalls, welche bei dem jetzigen Druck
verfahren von besonderer Wichtigkeit ist, wird grosse Sorgfalt ver
wendet. Der Process des Sckmelzens und Mischens der Metalle wird
auf rationeller und wissenschaftlicher Grundlage betrieben. Der Dampf
findet immex'grössere Anwendung und ist selbst auf die Schleifmaschinen
ausgedehnt, welche letztere jedoch keine grosse Erfolge erzielt haben.
Die automatische Giess-, Schleif- und Fertigmachenmaschine von John
son und Atkinson hat zwar seit der Pariser Ausstellung auf dem Con-
tinent Eingang gefunden, ihre Verwendbarkeit wird jedoch, wie die der
Setzmaschine, immer an gewisse Bedingungen geknüpft bleiben. Als
mechanische Combination ist diese Maschine wahrhaft geistreich erdacht.
Sie liefert die Buchstaben gegossen, geschliffen, bestossen und in Reihen
gestellt zum Einpacken fertig ohne jede menschliche Beihilfe. In dei
Ausstellung war sie nicht vorhanden, wie überhaupt das Maschinenfach
für Schriftgiesserei so gut wie nicht vertreten war. Dagegen konnten
die Besucher Wiens sie in der Schriftgiesserei von Meyer & Schleicher,
wo sie gerade zur Zeit der Ausstellung in Gang gesetzt wurde, sehen.
Die Schriftgiesserei selbst hatte sich mit ihren Producten in ferti
gem und halbfertigem Zustande und mit Proben ihres Materials nicht
gerade zahlreich eingefunden. Es lässt sich ja auch nicht leugnen, dass
die Ausstellung von Schriften sowohl als wie die von Farben, nicht
viel beweist, während die Probeblätter, welche die Schriftgiessei 1 eich
lick, sowohl direct wie durch die Fachjournale verbreiten, das dabei
interessirte Publicum so gut auf dem Laufenden halten, dass in dei
That eine Ausstellung weniger nöthig ist.
Producte in natura hatten fast nur deutsche und österreichische
Geschäfte ausgestellt. Die übrigen Länder beschränkten sich grössten-
theils nur auf Vorlegung von Probebüchern. In Deutschland obenan
steht die Schriftgiesserei Flinsch in Frankfurt a. M. (gegr. 1827
durch F. Dresler und Rost-Fingerlin). Sie dürfte an Umfang und
Bedeutung nicht leicht übertroffen werden, und ist immer noch im
Wachsen begriffen. Im Jahre 1867 waren 58 Maschinen im Gange,
welche täglich 3 / 4 Million Typen liefern konnten. Jetzt arbeiten 72,
grösstentheils durch Dampf betriebene Giessmaschinen, ausserdem 24
Schleif- und 4 Bestossmaschinen, und mit Hilfe der 220 Arbeiter kann jetzt
täglich 1 Million Typen geschafft werden. Flinsch, der nie schwankt,