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Full text: Graphische Künste, Wiener Weltausstellung Heft 6

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Gruppe XII. Graphische Künste. 
wenn es einer Verbesserung gilt, war der Erste, der den Dampf und 
die Schleifmaschine verwendete. Er führte auch zuerst die Johnson- 
Atkmson sehe Maschine in Deutschland ein. Als ein weiterer Fort 
schritt ist die Herstellung von Stahlmatern durch hydraulischen Druck 
zu nennen, welche an Dauerhaftigkeit die Kupfermatern um das Zehn 
fache übersteigen und die vollendetste Schärfe und Genauigkeit beim 
Giessen der Schrift gewähren. Durch einen Baffinir- und Hochofen 
können auf einmal 15 000 Pfund Schriftmetall zur Legirung kommen, 
welche selbstverständlich bei solcher Massenbereitung rationeller be 
trieben werden kann, als im Kleinen. Die Flinsch’sche Hartmasse 
gilt als vortrefflich. Das Geschäft, welches Filialen in St. Petersburg 
und Brüssel hat; besitzt über 68 000 Stempel und 132 000 Matern und 
verbraucht jährlich an Materialien incl. Kohlen für gegen 80 000 Thlr. 
Seit der Pariser Ausstellung wurden geliefert: 33 Grade Brotschriften, 
116 Grade litelschriften, 10 Zierschriften, 7 Schreibschriften, 4 Garni 
turen Einfassungen und gegen 6000 Stempel russischer Schriften. Die 
mächtigen Bände von mattfarbigen Cartonblättern, auf welche die Proben, 
mit Silberstreifen umgeben, aufgeklebt waren, eigneten sich wohl dazu, 
einem Jeden Bespect vor der Firma einzuflössen, von deren Thätigkeit 
und Tüchtigkeit die Sammlung beredtes Zeugniss ablegt. Zu rühmen 
bleibt noch das gute Verhältniss, welches in diesem Geschäft zwischen 
Arbeitgeber 'und Arbeiter fortwährend besteht, sowie die Fürsorge des 
Ersteren für die Letzteren. 
Eine wenn auch nicht so umfangreiche, so doch hochgeachtete und 
sehr thätige Firma ist Wilh. Gronau (früher Ed. Hänel, gegr. 1830) 
in Berlin. Das Geschäft arbeitet mit einem Personal von 167 Köpfen 
und vereinigt in sich fast alle Branchen der graphischen Künste, wenn 
auch die Schriftgiesserei das Hauptgeschäft bleibt, in welchem Neues 
zu bringen Gronau nie ermüdet, so dass sein ausgelegtes Probebuch 
schon während der Ausstellung ansehnlich gewachsen sein wird. Halb 
als Buchdrucker, halb als Schriftgiesser zeigte Gronau die höchst 
schwierige lexicalische Arbeit vou Toussaint-Langenscheidt, zu 
welcher er die Schriften, Zeichen, Satz und Platten geliefert hat. 
Ein junges strebsames Geschäft, unermüdlich in der Lieferung von 
Titel- und Zierschriften, ist Wilh. Wöllmer in Berlin. Dass unter 
vielen solchen Erzeugnissen, die namentlich den Zwecken des annonci- 
renden Publicums zu dienen bestimmt sind, auch einige sich befinden 
müssen, die vom Standpunkte der Aesthetik nicht die Kritik aushalten, 
ist leicht begreiflich. Die Zweckmässigkeit bleibt neben der Schönheit 
und manchmal vor dieser von entscheidender Wichtigkeit. 
Die Schriftgiessereien aus Deutschland, die noch ausgestellt hatten, 
sind zugleich und hauptsächlich Buchdruckereien und schon oben 
erwähnt.
	        
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