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Full text: Graphische Künste, Wiener Weltausstellung Heft 6

Section II. Graveur- und Guillochirkunst. Xylographie. 697 
druckplatteil bestimmt sind, so wurden sie, um sowohl den Guss als 
den Satz zu erleichtern, auf halbe Höhe gegossen. Unter den Utensilien 
sind recht hübsche Miniaturwinkelhaken zu erwähnen. Rudhard & Pol - 
lak (Filiale von Rudhard in Offenbach) brachten namentlich Utensilien, 
darunter Schiffe von zweckmässiger Construction und Winkelhaken mit 
verschiedenen Stellungen für Tabellensatz, Choralnoten mit Liniensystem 
apart und Köpfe apart. Ein Hauptschaustück der Firma, ein lableäu, 
das Steigen und Fallen der Course graphisch darstellend, konnte nicht 
ganz den Zweck einer Empfehlung erfüllen, sei es nun, dass der Guss 
oder der Schluss nicht accurat genug war. 
In der Stempelschneiderei besitzt Wien eine ausserordentlich tüch 
tige Kraft in Carl Bren dler. Unter seinen Schriften, die mustergültig 
genannt werden können, befinden sich mehrere arabische und hebräische, 
von welchen letzteren eine accentuirte Nonpareille-Meruba ganz beson 
ders hervorgehoben zu werden verdient. Brendler hat auch die Band 
einfassung für Rust & Co. und stenographische Schriften geliefert. Für 
die Herstellung solcher erwarb sich Herr Carl Faulmann ein beson 
deres Verdienst. Seine Typen sind nach dem Gabelsber'ger’schen System 
gemacht. Der Mittelgrad ist bereits vollendet, der Textgrad begonnen 
und der Corpusgrad projectirt. Die Zeichnungen sind so eingerichtet, 
dass die Typen nach denselben ohne Weiteres mechanisch in den ver 
schiedenen Graden geschnitten werden können. Trotz der wesentlichen 
Verbesserungen der Faulmann’sehen Typen wird aus der Nachbildung 
der Geschwindschrift nie ein Geschwindsatz entstehen, denn die Natur 
der ersteren bedingt immer eine schwierige Combination von Typen. 
Der erste Zweck der stenographischen Typen bleibt zwar die Herstel 
lung stenographischer Lehrbücher, es wird jedoch auch eine nicht ganz 
kleine Anzahl von Werken, Classikern und anderen Schriften, steno 
graphisch gedruckt. Dabei waltet wohl mehr die Absicht ob, das Auge 
des Stenographen zu bilden, als der Wunsch, eine grosse Compendiosität 
zu erzielen, obwohl diese von Faulmann durch ein Evangelium St. Jo 
hannis, auf eine Octavseite ganz deutlich lithographirt, recht ad oculos 
demonstrirt war. 
Die Graveur- und Guillochirkunst, sowohl für das Medailleurfach 
als für andere gewerbliche Zwecke, haben in Wien einen fruchtbaren 
Boden gefunden und sich sehr entwickelt. Die österreichische Aus 
stellung war in dieser Beziehung eine sehr reiche. Besondere Aner- 
kennung verdient die Collectivausstellung der Wiener Graveure, 
die unter grossen Schwierigkeiten zu Stande gebracht war und ein 
sehr interessantes Gesammtbild der Kunst in ihren verschiedenen Ab 
zweigungen gewährte. Die Betheiligten haben damit nicht allem Ehr c, 
sondern auch zahlreiche Bestellungen geerntet, und viele der ausgestellten 
Gegenstände wurden für Sammlungen und Museen erworben. 
Im Medailleur fache ist zu erwähnen Joh. Tautenhayn, dem die
	        
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