156 Gruppe XIII. Maschinenwesen u. Transportmittel.
Methoden und Maschinen zu suchen, sondern wird hauptsächlich auf
die Vervollkommnung des Vorhandenen gerichtet sein müssen. Auf
den solideren Bau der dann eine grössere Geschwindigkeit, somit grös
sere Leistung gestattenden Maschinen legt man heute das Hauptgewicht;
zur Herstellung guter Fabrikate auch aus billigeren geringeren Materia
lien zwingt die Concurrenz und nach möglichster Emancipirung von
Handarbeit drängen die gesteigerten Löhne. Diesen Bestrebungen
zufolge zeigt denn auch die Wiener Ausstellung eine grössere Anzahl
von Verbesserungen der schon bekannten Maschinen etc., die, an sich
vielleicht unbedeutend erscheinend, in ihrer Gesammtheit doch einen
wesentlichen Fortschritt erkennen lassen. Hört man öfter die Klage,
dass die Ausstellung etwas Neues nicht gebracht habe, so muss man
bedenken, dass neue, umgestaltende und epochemachende Erfindungen
selten fix und fertig in die Erscheinung treten, und dass nicht das
hastige Stürmen nach dem Neuen eine Industrie gross macht, sondern
das ruhige Streben nach der Vervollkommnung des als gut Erkannten.
Dieses Streben war in der Maschinenausstellung überall und so auch
bei den Maschinen zur Verarbeitung der Baumwolle zu erkennen.
Die von Platt Brothers ausgestellte Egrenirmasch ine
ist hauptsächlich für diejenige Classe von Baumwolle bestimmt, deren
Körner mit kurzen Fasern bekleidet sind, sogenannte wollige Samen"
körner, und deren hauptsächlicher Vertreter die „American Upland“
ist. Für die Egrenirung solcher Baumwolle hat man bis jetzt die
Mac Carthy’sehen Maschinen nicht mit Vortheil benutzen können,
da dieselben nur sehr schwierig die Trennung der Fasern von den fest
anhaftenden Körnern zu bewirken vermögen. Dies ist der Grund,
warum man in Amerika bis jetzt meist der Sägen-Egrenirmaschine den
Vorzug gab, welche neben grosser Leistungsfähigkeit diese Trennung
besser bewirkt, obschon sie freilich viel Fasermaterial zerreisst. Bei
der kurzfaserigen ostindischen Baumwolle nur, die sich leicht löst, fand
die Mac-Carthy-Maschine grössere Anwendung, weil die an sich kurze
Wolle durch die Wirkung der Sägen bedeutend an Werth verloren
haben würde. Den vorgesteckten Zweck einer möglichst vollständigen
Trennung der Fasern von den Körnern bei thunlichster Schonung der
ersteren scheint die ausgestellte Maschine sehr gut zu erreichen, wenig
stens war das Resultat in-dieser Beziehung ein überraschend befriedi
gendes. .
Die Maschine, welche doppeltwirkend genannt werden kann, indem
die Arbeitsorgane zu beiden Seiten symmetrisch angeordnet sind, trägt
zwei Walzen, welche wie bei der älteren Mac -Carthy-Maschine
schraubenförmig mit Leder umwunden sind, und welche durch Gewichte
derart gegen die festen Messer gepresst sind, dass bei der Umdrehung
der Walzen die Fasern durch Reibung von den Körnern abgezogen
werden, um zwischen den Walzen und feiten Messern zu Boden zu fallen.