Section II. b. Maschinen für Faserstoff-Industrie. 179
Eigenthümllchkeit eines indirecten, durch Zahnräder vermittelten Antriebes
zeigten.
Selfactors waren im Ganzen fünf vorhanden, wovon einer aus
England, einer aus Belgien, zwei aus Deutschland und einer aus Oesterreich.
Wenn auch die Constructionen dieser Maschinen keine wesentlich
neuen Ideen repräsentirten, so waren sie doch ein Beweis von dem
überall vorhandenen Streben, diese Maschine durch vereinfachte Construction
und eine den Eigentümlichkeiten des Streichgarns angepasste
Einrichtung in der Streichgarnspinnerei mehr und mehr einzubürgern.
Epochemachend für den Bau der Streichgarnseifactors ist in neuerer
Zeit bekanntlich die von Richard Hartmann eingeführte dreifache
Spindelgeschwindigkeit gewesen, Welche bereits an dem von Hartmann
in Paris ausgestellten Selfactor angebracht war. Vermöge dessen kann
man das Anspinnen der Fäden mit geringer Geschwindigkeit beginnen,
die Spindelgeschwindigkeit in einem beliebigen Augenblicke der Wagenausfahrt
zum zweiten Betrage steigern und schliesslich beim Spinnen
von Kette mit der grössten Spindelgeschwindigkeit den Nachdraht
geben. Drei verschieden grosse Riemscheiben auf der Antriebswelle
vermitteln diese verschiedenen Geschwindigkeiten. Bisher litt diese
Einrichtung an dem Uebelstande, dass das Einsetzen einer neuen Geschwindigkeit
von dem Wagenwege abhängig war, und dass namentlich
das Abschlagen behufs der Aufwindung nur auf die dritte Geschwindigkeit
folgend vorgenommen werden konnte. Dies war besonders ein
Hinderniss, wenn der Selfactor zum Vorspinnen gebraucht werden sollte,
wo man überhaupt nur die erste oder nur die erste und zweite Geschwindigkeit
anwendet. Auch bei dem sogfenannten Doppelspinnen war
dieser Umstand nachtheilig, d. h. wenn man, um aus kurzer Wolle
höhere Nummern (10) zu erzeugen, zuerst eine niedrigere Nummer
(6 bis 7) spinnt, um dann bei einem zweiten Spinnen die Windungen
in entgegengesetzter Richtung schnell, also mit der dritten Geschwindigkeit,
wieder aufzudrehen, und unter entsprechender Verstreckung
das Fertigspinnen mit der zweiten Geschwindigkeit zu vollenden. Diese
Uebelstande sind bei dem ausgestellten Selfactor nunmehr dadurch
vermieden, dass der Wechsel der Geschwindigkeiten nicht mehr vom
Wagenauszuge, sondern von dem fest im Triebstocke befindlichen Zählrade
abhängig gemacht ist. Dem entsprechend kann bei der neuen
Einrichtung nach Belieben die erste Geschwindigkeit allein, oder die
erste und zweite zum Vorspinnen, die erste, zweite und dritte zum
Feinspinnen, die erste und dritte zum Zwirnen oder die dritte und zweite
zum Surfiliren Verwendung finden. Durch die angegebene Einrichtung
und Placirung des Zählers ist ausserdem der Wagen vollständig entlastet
von jenen Functionen der Auswechselung, denen er bei der früheren
Einrichtung unterworfen war. Ferner ist die Einrichtung so getroffen,
dass der Zähler während des Abschlagens und der Wageneinfahrt still-12*