228 Gruppe XIII. Maschinenwesen u. Transportmittel.
den äusseren die mit zwei halbcylindrischen Stereotypplatten bekleideten
Formcylinder, die beiden inneren die den Druck ausübenden soge
nannten Druck- oder Papiercylinder sind. Auf jeder Seite der Maschine
schliesst sich an den Formcylinder ein Farbwerk an, bestehend aus dem
gewöhnlichen Farbkasten mit Ductor, Hebwalze, einem als rotirender
Farbtisch dienenden Metallcylinder, auf welchem drei Verreibungs
walzen laufen, und zwei Auftrag walzen, welche die Farbe Vota Farb-
cylinder nehmen und der Form mittheilen.
Die einzelnen Bogen, welche genau in derselben Anzahl erschei
nen , als jeder Formcylinder Umdrehungen macht, indem der Schneid-
appärat ebenso viele Schnitte macht, treten von oben zwischen den
linken Formcylinder und seinen Druckcylinder hinein, und empfan
gen den Schöndruck, gehen um die untere Hälfte des linken und die
obere Hälfte des rechten Druckcylinders herum, um zwischen die
sem und dem rechten Formcylinder den Widerdruck zu empfangen,
denn auf dem ce-förmigen Wege um die Druckcylinder ist, wie bei
allen Schön- und Widerdruckmaschinen, die äussere zuerst bedruckte
Seite nach innen zu liegen gekommen, so dass der Bogen den Wider
druck erhalten kann. (Bekanntlich haben auf dieses Princip der
Bogenwendung für Completmaschinen König & Bauer schon im
Jahre 1816 ein englisches Patent erhalten.)
Nachdem die Bogen beiderseits bedruckt sind, werden sie durch
allerdings complicirte ßandführungen nach den vier mechanischen Aus
legern geführt, welche, auf jeder Seite der Maschine zwei, in zwei Eta
gen über einander angeordnet sind. Um die Bogen in der gehörigen
Reihenfolge den Auslegern zuzuweisen, ist unter dem Druckwerke zu
nächst ein sogenannter mechanischer Theiler angebracht, welcher mit
Hilfe beweglicher Bandführungen den 1., 3., 5. etc. Bogen nach links, und
den 2., 4., 6. etc. Bogen nach rechts dirigirt. Auf jeder Seite der Ma
schine ist abermals ein Theiler angebracht, und zwar besteht die Func
tion des linksseitigen darin, den 1„ 5., 9. etc. Bogen dem Ausleger der
unteren Etage, den 3., 7., 11. etc. Bogen dem Ausleger der oberen Etage
zuzuführen. In gleicher Weise dirigirt der rechtsseitige Theiler den
2., 6., 10. etc. Bogen nach dem unteren, den 4., 8., 12. etc. Bogen nach
dem oberen rechten Ausleger. Die Einrichtung der Theiler ist keines
wegs, wie der Aussteller behauptet, eine ausschliesslich Marinom an
gehörende Erfindung, denn dieselbe Einrichtung mit beweglichen
Bandleitungen ist bereits im Jahre 1847 von König & Bauer an
einer zum Druck der „Kölnischen Zeitung“ gebaueten vierfachen Ma
schine mit drei Cylindern angewandt worden, wie auch eine von derselben
Firma in München 1854 ausgestellte sechsfache Maschine mit vier Cylin
dern eine solche Einrichtung besass.
Eigentümlich ist der Marinoni’schen Maschine, dass, obwohl
Rollenpapier zur Verwendung kommt, doch das Bedrucken in einzel-