Section II. b. Maschinen für Faserstoff-Industrie. 239
Kleiderfabrikanten. Das wirkende Organ dieser Maschine ist ein durch
Dampf kraft schnell auf und nieder bewegtes Messer, welches mit einem
anderen Messer zusammen scheerenartig den auf einem horizontalen
Tische ausgelegten Stoff durchschneidet. Der Stoff liegt in vielen
Lagen (bis zu 70mm Dicke) über einander; der Zuschneider leitet
den Messerapparat nach Maassgabe des auf der obersten Lage vorge
zeichneten Dessins aus freier Hand über den Stoff hinweg. Auf diese
Weise ist mit einem einzigen Ueberführen das betreffende Muster so
vielmal ausgeschnitten, als Stofflagen über einander vorhanden sind,
ohne dass es mehr als einer einzigen V orzeichnung bedarf.
Sehr grosses Interesse erregte die in der amerikanischen Abthei
lung von Cobert in Newyork ausgestellte von Woodbury erfundene
Maschine zur Herstellung von Bürsten, sowohl wegen ihrer sinn
reichen Construction wie auch wegen ihrer vorzüglichen Leistung. Das
Charakteristische bei dieser Maschine besteht in der Befestigung der
Borsten mit Hilfe von schraubenförmig umgewickeltem Draht, welcher,
in die Löcher des Bürstenrückens ein geschraubt, die Borsten ohne
Leim oder sonstigen Klebstoff festhält. Vermöge dieser Befestigungsart
wird die Dauerhaftigkeit der Bürsten auch durch den Gebrauch der
selben in heissem Wasser nicht beeinträchtigt. Die einzuziehenden
Borsten oder anderen Fasermaterialien sind bei dieser Maschine reihen
weise in eine Art Kamm oder Rost gebracht, aus welchem durch einen
der Vierwegschaltung bei Nähmaschinen analogen Mechanismus be
stimmte Portionen entnommen und als ein horizontal liegendes Büschel
unter den Einsetzstempel gebracht werden. Indem dieser Stempel
vertical herunter geht und die Mitte der Borsten trifft, werden diese
beiderseits umgebogen und in das gerade unter den Stempel gebrachte
Loch des Bürstenrückens dirigirt. Zuvor ist aber das Ende des auf
einer Rolle befindlichen Eisendrahtes durch den Umbug der Borsten
gesteckt, in bestimmter Länge abgeschnitten, und werden nun durch
die Umdrehung des gedachten Stempels die beiderseits hervorragenden
Enden des Drahtstückes gezwungen, sich in zwei rechten Schrauben-
gängen rings um die Borsten zu legen. Bei weiterer Drehung des
Stempels schraubt sich nun das Ende des Borstenbüschels in das Loch
des Bürstenrückens ein, indem die vorstehenden Drahtwindungen sich
fest in die Lochwandungen eindrücken. Hierauf wird durch eine geringe
Zurückdrehung des Stempels die feste Verbindung bewirkt, indem dabei
die beiden Drahtenden wie Bohrer sich in dem Holze festsetzen. Der
Stempel geht nun zurück, um eine neue Portion Borsten in ein folgen
des vom Arbeiter mit der Hand ihm untergeführtes Loch in gleicher
Weise zu setzen. Die Arbeit geschieht sehr schnell, indem in einer
Minute bis gegen 75 Löcher mit Borsten besetzt werden können, also
eine gewöhnliche Scheuerbürste in Zeit einer Minute gebunden werden
kann. Da die Löcher nicht ganz durch den Rücken hindurchgehen,