12 Gruppe XIII. Maschinenwesen u. Transportmittel.
Masohinenfabriks - Aktiengesellschaft die Steuerung der Corliss-
Maschine von 1867: Die von dem Excenter in oscillirende Bewegung
versetzte Steuerscheibe trägt die Zapfen für vier Pleuelstangen. Zwei
von diesen Stangen bewegen direct die Auslassventile, die beiden ande
ren , möglichst kurz gehalten, um die Bewegung zu einer recht präg
nanten und eckigen zu machen, zwei Hebel, deren Schwingungspunkte
unterhalb m der Nähe des Bodens liegen. Ueber den flachgewölbten
Rücken dieser Hebel spannen sich starke Blattfedern, welche mit ihren
oberen freien Enden durch Gelenke und kurze Yerbindungsstangeii an
die Kolbenstangen von zwei Luftbuffern allgeschlossen, während rück
wärts die Kolben dieser Buffer durch Gelenke mit den Zugstangen der
Einlassventile verbunden sind. Die Hebel tragen aber ausserdem an ihrem
oberen Ende den Drehzapfen für je eine Sperrklinke, welche, wenn
die Feder gespannt wird, mit ihrer Nase hinter den viereckigen
Kopf der Bufferstange fasst und, indem sie die Feder in gespanntem
Zustande festhält, bis zu ihrer Auslösung eine starre Verbindung zwischen
Hebel und Einlassventil herstellt. Bis zu diesem Zeitpunkte bewegen
sich also beide mit einander, die Sperrklinke schiebt die Bufferstangen
vor sich her und öffnet dadurch das Ventil. Sehr bald aber stösst die
selbe mit ihrer leicht aufwärts gekrümmten Rückwärtsverlängerung
unter die Schneide des Auslösemessers, die Klinke wird ausgelöst, die
\ entilstange durch die frei werdende Feder zurückgeschnellt, das Ventil
geschlossen. Alle Stösse werden dabei durch den Luftbuffer aufgefangen.
Beim Rückwärtsgange des Hebels wird dann die Feder wieder gespannt,
die Klinke fällt ein und das ganze Spiel wiederholt sich.
. ® er Moment der Auslösung, also der Beginn der Expansion, ist
bei gegebener Form der Klinken resp. deren Ausrückhebel nur abhängig
von der Stellung des Auslösemessers; und dieses befindet sich an der
Stirnfläche eines Hebels, der von der Regulatorhülse aus bewegt wird;
es ändert seine Stellung also mit diesem, und die Expansion ist in
direetester Weise abhängig vom Regulator.
Was nun die Maschinen selbst betrifft, so hat die der Gräflich
Stolberg’sehen Factorei einen Cylinder von 400 mm Durchmesser
bei 800 mm Hub und kann sowohl mit als ohne Condensation arbeiten.
Die Führung ist, entgegen der heutigen Praxis, sie mit der Stopfbüchse
auszubohren, V-förmig und die Gleitschuhe des Querhauptes sind von
Pockholz, einem Materiale, welches ja neuerdings auch für Lagerschalen
vielfach in Aufnahme gekommen ist.
Die Maschine von Reinicke ') trieb die Transmission des Pavillons
für Ziegel- und Eismaschinen. Sie hat einen Cylinder von 430 mm
Durchmesser und 840 mm Hub, gusseiserne Kurbel, Buss’schen Regu
lator und merkwürdigerweise ein Querhaupt ganz von Messing. Durch
1 ) Zeichnung und Beschreibung Engineering XVI, p. 102 u. 109.