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Full text : Maschinenwesen und Transportmittel, Wiener Weltausstellung Heft 8

256  Gruppe  XIII.  Maschinenwesen  u.  Transportmittel.
derselben  resultirenden  Ungleichheiten  in  den  Durchmessern  der  gekuppelten ­
  Räder  auf  ein  praktisch  unschädliches  Maass  reducirt  ist.
Hiermit  ist  zugleich  ein  Hauptanlass  zu  übertriebener  Belastung
der  Triebräder  beseitigt  und  die  Ausstellung  bietet  zahlreiche  und
schöne  Beispiele  dafür,  dass  die  Locomotiv-Constructeure  diesem  für
die  gute  Unterhaltung  des  Gestänges,  also  auch  für  die  Sicherheit  hochwichtigen ­
  Momente  durch  richtige  Lastvertheilung  gebührende  Rechnung ­
  zu  tragen  verstehen.
Es  darf  hierbei  wohl  auf  den  Umstand  hingewiesen  werden,  dass
die  gleiche  Last  für  die  Adhäsion  günstiger  wirkt,  wenn  sie  auf  eine
grössere  Zahl,  als  wenn  sie  auf  weniger  Räder  vertheilt  ist,  weil  die
Wahrscheinlichkeit,  dass  sämmtliche  gekuppelten  Räder  gleichzeitig  auf
schlüpfrige  zum  Gleiten  derselben  Anlass  gebende  Stellen  treffen,  mit
deren  Anzahl  abnimmt.
Aus  diesem  Grunde  können  vierachsige  Güterzuglocomotiven  unter
Umständen  eine  grössere  Leistung  entwickeln,  als  gleich  schwere  dreiachsige, ­
  wozu  dann  noch  der  Vortheil  tritt,  dass  die  Belastung  der
einzelnen  Räder  um  1 / i  vermindert  ist.
Dieser  Einfluss  auf  die  Leistungsfähigkeit  kommt  den  Locomotiven
nach  Meyer’s  oder  Fairly’s  System  nicht  zu  Gute,  weil  bei  ihnen
die  Räder  in  zwei  unabhängige  Gruppen  getheilt  sind,  und  es  verdient
wohl  hervorgehoben  zu  werden,  dass  der  einzige  Nutzen  dieser  so  überaus ­
  complicirten  und  schwerfälligen  Constructionen  in  ihrer  Verwendbarkeit ­
  bei  Bahnen  mit  Curven  von  ungewöhnlich  geringem  Radius  zu
suchen  ist.
Nach  den  glänzenden  Resultaten,  welche  die  Locomotiven  mit  vier
gekuppelten  Achsen  auf  den  Linien  der  österreichischen  Südbahnen
mit  Curven  bis  herab  auf  190  und  180  m  Radius  ergeben  haben,  wird
das  Feld,  wo  jene  Constructionen  möglicherweise  noch  zweckmässig  sein
können,  für  Güterzuglocomotiven  in  sehr  enge  Grenzen  gewiesen.
Locomotiven  mit  Truckgestellen,  sowie  mit  der  Art  beweglichen
Laufachsen,  dass  dieselben  sich  in  Curven  radial  stellen  können,  sind
in  verschiedenen  Constructionen  vertreten.
Es  ist  schwierig,  für  Bahnen  mit  vielen  scharfen  Krümmungen
Locomotiven  herzustellen,  welche  bei  rascher  Fahrt  auf  gerade:?  Bahn
genügende  Stabilität  besitzen  und  gleichzeitig  den  vorderen  Laufachsen
eine  solche  Beweglichkeit  gestatten,  dass  auch  die  Curven  mit  unverminderter ­
  Geschwindigkeit  durchfahren  werden  können.  Die  alte  amerikanische ­
  Construction  mit  drehbarem  Vordergestell  (Truck)  scheint
noch  immer  die  bessere  zu  sein,  und  wahrscheinlich  lassen  sich  die
Nachtheile  derselben  durch  erheblich  vergrösserten  Radstand  des  Vordergestelles ­
  wenn  nicht  beseitigen,  doch  auf  ein  geringes  Maass  reduciren;
um  so  mehr  bleibt  zu  bedauern,  dass  eine  der  ausstellenden  Bahnep
nach  ihrer  eigenen  Erklärung  eine  solche  Vergrösserung  dieses  Rad-
            
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