Section III. Die Eisenbahntransportmittel. 257
Standes nur in Rücksicht auf den kleinen Durchmesser ihrer Dreh
scheiben unterlassen hat.
. Mlt beweglichen Einzelachsen wird das Ziel weit schwieriger zu
erreichen sein, weil bei ihnen eine Vermehrung der Stabilität für gerade
Strecken eine gleich grosse Verminderung ihrer Schmiegsamkeit in Cur-
ven zur unvermeidlichen Folge hat.
Die Verwendung von Tenderlocomotiven zum Rangiren der Züge
hat an Ausdehnung gewonnen, weil diese Construction für Locomotiven,
welche vor- und rückwärts arbeiten müssen, eine sachgemässe ist, da
gegen wird ihre Verwendung für den Zugdienst wohl in dem Grade
auf hören, als die Erkenntnis sich Bahn bricht, dass die zulässige
Belastung der Achsen vortheilhafter durch Vergrösserung des Kessels
verwertet wird, als durch Mitschleppen von Wasser und Brennmaterial
aut der Maschine.
Das Hall’sche Locomotivsystem mit ausserhalb der Räder liegenden
Rahmen und Achslagern ist durch einige Exemplare vertreten, welche
zu den vorzüglichsten der Ausstellung zählen. Es ist einigermaassen
auffallend, dass dieses vortreffliche System sich nur langsam Bahn bricht.
Vielleicht trägt der Umstand mit dazu bei, dass die Anwendung des
selben bei Locomotiven mit drei oder vier gekuppelten Achsen durch
die nothwendige Stärke der Kurbeln eine Breite bedingt , welche sich
schwer mit den bedauerlich engen Normalhreiten des Vereins deutscher
Eisenbahnen vereinigen lässt.
Die Treibraddurchmesser sowohl der Personenzug- als der Güterzug-
locomotiven sind im Durchschnitt geringer als bei den früheren Aus
stellungen und mit Recht, weil dadurch die Leistungsfähigkeit der
Locomotiven erhöht wird, ohne dass es nöthig ist den Kessel zu ver-
grossern, dessen Verdampfungsfähigkeit innerhalb ziemlich weiter
Grenzen mit der durch die Zahl der Kolbenhübe gleichmässig vermehrten
Exhaustion wächst.
Hand in Hand geht damit die Vergrösserung des Feuerkastens und
der Rostfläche, wodurch den in dem Fortreissen unverbrannter Kohlen
stückchen bestehenden nachtheiligen Folgen einer lebhaften Exhaustion
entgegengewirkt wird.
Namentlich bei den belgischen Maschinen ist die Rostfläche sehr
gross und will man damit sehr günstige Resultate erzielt haben.
Bei den Güterzugmaschinen der österreichischen Südbahn mit vier
gekuppelten Achsen ist der Treibraddurchmesser nur 1'106 m, der
ausserste Radstand 3'560 m und die Zugkraft 8000 Kg. Solche Maschinen
werden bei geringer Zuggeschwindigkeit von circa 2 bis 2y 2 Meilen
pr. Stunde nicht nur für Gebirgsbahnen, sondern auch für Flachlands
bahnen mit starkem Massenverkehr sehr geeignet sein.
Wiener Weltausstellung. II.