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Full text: Maschinenwesen und Transportmittel, Wiener Weltausstellung Heft 8

284 Gruppe XIII. Maschinenwesen u. Transportmittel. 
die Doppelfederwagen auf der Wiener Ausstellung erheblich zurück. 
Von 108 ausgestellten österreichischen Wagen waren nur 12 mit Doppel 
federn versehen. Hieraus dürfte wohl nicht mit Unrecht die Schluss 
folgerung zu ziehen sein, dass die österreichischen Wagenbauer weit 
mehr für den bürgerlichen Consum, als auf Erzeugung von Luxusstücken 
hin arbeiten. Es ist natürlich, dass daun in erster Reihe das Augen 
merk auf geringe Herstellungskosten und möglichste Vereinfachung 
der Construction gerichtet wird. In ersterer Beziehung namentlich 
leisten einzelne österreichische Wagenfabriken wirklich Erstaunliches, 
denn es werden insbesondere die offenen Fuhrwerke für den Landver 
kehr zu Preisen fix und fertig geliefert, welche in den norddeutschen 
Wagenfabriken kaum die Kosten des Rohbaues decken. Der Grund 
dieser Erscheinung dürfte hauptsächlich darin zu suchen sein, dass die 
vortrefflichen Naturproducte des Landes, namentlich die vorzüglichen 
Stahl- und Eisensorten, die ausgezeichneten inländischen Hölzer und 
das verhältnissmässig billige Leder den Wagenfabriken sehr zu statten 
kommen. In der That findet man durchgängig an österreichischen 
Wagen eine so grosse Menge einheimischen guten Materials verwendet, 
wie es den minder gut situirten Wagenfabrikanten Norddeutschlands 
nicht möglich ist, müssen dieselben doch einen grossen Theil des Hol 
zes von jenseit des Oceans beziehen. 
Was die Formen der österreicliisehen Wagen anbetrifft, so sind 
dieselben mit Ausnahme gewisser offener dem Steppenlande Ungarns 
eigenthümlicher Fuhrwerke nicht gerade originell zu nennen, sondern 
schliessen sich der in Frankreich, England und Deutschland herrschen 
den Mode an, doch finden sich unter den offenen Fuhrwerken nament 
lich Ungarns manche Stücke, die durch das naturfarbene Holz eigen- 
thümlich ins Auge fallen. 
Als Centrum des österreichischen Wagenbaues ist unstreitig Wien 
selbst zu betrachten, welche Stadt in der Löhner’sehen Wagenbau 
anstalt ein so grossartiges Institut besitzt, wie sonst weder Europa noch 
Amerika etwas Aehnliches aufzuweisen hat. 
Die Lohner’schen Wagen fielen bei der Prämiirung aus, weil 
Herr Löhner Jurymitglied war, um so mehr muss daher hier dem ver 
dienstvollen Manne eine Anerkennung gezollt werden für seine eigen- 
thümlich construirten Glas-Landauer, welche unstreitig den Glanzpunkt 
und die hervorragendste Leistung der Wagenausstellung bilden, und 
auf welche ganz besonders hier hingewiesen werden muss. 
Bereits im Jahre 1864 tauchte in Paris ein Wagen englischen 
Ursprungs auf, dessen Vordertheil, ringsum "mit Glas versehen, die 
besondere Aufmerksamkeit der Pariser Wagenfabrikanten auf sich zog. 
Man konnte sich dabei anfangs nicht erklären, wo die vorderen Seiten 
scheiben blieben, wenn das Verdeck zurückgelegt wirrde, bis diese
	        
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