Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Maschinenwesen und Transportmittel, Wiener Weltausstellung Heft 8

Section  IV.  Strassenfuhrwerke.

285

Frage  sich  dahin  löste,  dass  diese  Seitenscheiben  mittelst  einer  Coulisse
auf  dieThüren  hingeleitet  in  dieselben  versanken.  Natürlich  erhielten
die  Thüren  dadurch  eine  unförmliche  Dicke  und  Schwere,  da  jede
Thür  ausser  der  Seitenscheibe  auch  noch  das  Thürglas  bergen  musste.
Die  Scheibe  nach  dem  Bocke  zu  war  in  der  Mitte  durchgeschnitten,
klappte  zusammen  und  versank  in  den  vorderen  Glaslauf,  die  vorderen
Seitenstollen  legten  sich  nach  inwendig  hinein.
Diese  ganze  Einrichtung  war  indessen  so  complicirt,  die  Mühe
des  Zurückschlagens  so  gross,  dass  dieser  Wagen  lange  Zeit  ein  Unicum
blieb  und  auch  später  nur  wenig  Nachahmer  fand,  so  wünschenswerth
es  auch  erscheinen  muss,  den  Uebelstand  eines  gewöhnlichen  Landauers,
bei  aufgestelltem  Verdeck  nur  wenig  Aussicht  zu  gewähren,  durch  eine
geeignete  Fensterconstruction  beseitigt  zu  sehen.  Auch  auf  der  Pariser ­
  Ausstellung  1867  waren  nur  zwei  derartige  Wagen  der  Beurtheilung
der  Jury  unterbreitet:  ein  Pariser  Wagen  von  Dessouches  und  ein
Landauer  mit  mechanischen  Verdecken  von  Morgans  &  Sons  in
London.  Beides  waren  recht  schön  gearbeitete  Stücke,  indessen  beide
mit  dem  Mangel  behaftet,  dass  die  sämmtlichen  Wagenscheiben  entfernt ­
  werden  mussten,  bevor  die  Verdecke  sich  niederlegen  Hessen.
Diese  Constructionen,  mehr  oder  weniger  modificirt,  blieben  in
Ermangelung  einer  besseren  mehrere  Jahre  in  Gebrauch  und  fanden
auch  in  Deutschland  Anwendung.  Da  tauchte  im  Jahre  1870  zuerst
in  Wien  die  ganz  neue  Lohn  er’sehe  Verdeekconstfuction  auf,  wonach
das  Vorderverdeck  schief  nach  vorn  überklappte,  und  sich  unter  den
Bock  zusammenlegte,  welch  letzterer  mit  einem  Charnier  versehen  ist,
damit  er,  nach  vornübergeklappt,  das  Verdeck  passiren  lässt.  Die
vorderen  Seitenscheiben  werden  dabei  einfach  an  die  dem  Bock  zugekehrten ­
  Scheiben  geklappt,  wozu  entsprechende  Charniere  vorgesehen
sind,  und  legen  sich  mit  den  ersteren  zusammen  unter  den  Bock  1 ).
Beim  Niederlegen  des  Verdeckes  kann  ein  gegenseitiges  Verschieben
der  einzelnen  Theile  auf  einander  und  eine  daraus  entstehende  Derangirung
  derselben  nicht  eintreten,  die  Construction  ist  in  hohem  Grade
solide,  und  steht  hinsichtlich  des  raschen  Oeffnens  und  Schliessens  jener
der  gewöhnlichen  Landauer  an  Bequemlichkeit  nicht  nach.  Man  darf
die  gedachte  Construction  als  eine  für  die  Ausführung  der  Landauer
in  Zukunft  jedenfalls  Epoche  machende  bezeichnen.

t)  Es  mag  bemerkt  sein,  dass  eine  im  "Wesentlichen  hiervon  nicht  abweichende ­
  Construction  in  Deutschland  zuerst,  und  zwar  schon  vor  dem  Bekanntwerden ­
  der  Lohner’schen,  von  dem  Wagenfabrikanten  Herrn  W.
Mengelbier  in  Aachen  ausgeführt  worden  ist.  Hierbei  werden  die  Seitenscheiben ­
  nicht  nach  vorn,  sondern  nach  oben  an  das  Verdeck  geklappt  und
legen  sich  mit  diesem  zusammen  unter  den  Bock.  Bei  dieser  Gelegenheit  sei
Herrn  Mengelbier,  dem  Juror  der  Pariser  Ausstellung  1867,  für  die  vorstehenden ­
  von  ihm  gemachten  Angaben  der  beste  Dank  ausgesprochen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.