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Full text: Maschinenwesen und Transportmittel, Wiener Weltausstellung Heft 8

Section I. Motoren, Rraftübertragungsmaschinen etc. 33 
Die Steuerungshahnen werden bewegt durch ein gemeinsames 
Triebwerk von der Hauptwelle aus. 
Auf der Spindel S sitzt je ein Schraubenrad, welches durch ein 
gleiches auf der parallel zur Cylinderachse gelagerten Steuerwelle ge 
trieben wird. Die beiden Dampf kolben haben gleichen Hub, und ihre 
Durchmesser verhalten sich wie 1 : 2. Durch die Hahnkegel wild der 
Dampf bei 0’65 des Hubes abgesperrt, während durch die Expansions 
kappe der Füllungsgrad bis zu 0‘05 herabgezogen werden kann. Im 
Mittel ist derselbe 0'4, so dass also der Dampf von 0 4 bis 4, d. h. auf 
das Zehnfache expandirt. S ist die Spindel der Expansionskappe, 
welche direct vom Regulator bewegt wird. 
Die Maschine hat eine ungemein hohe Kolbengeschwindigkeit - 
115 Umdrehungen pro Minute — und die Dampfverluste sind dahei 
relativ gering, obgleich die Maschine der starken Expansion ent 
sprechend mit 10 Atmosphären Anfangsspannung arbeitet. Die Steue 
rung ist, wie die Indicatordiagramme zeigen, eine ganz vorzügliche; 
alle Theile derselben haben eine absolut gezwungene Bewegung und 
arbeiten ohne jeden Stoss, so dass der Gang der Maschine fast voll 
kommen geräuschlos ist. Dabei ist dieselbe, namentlich gegenüber den 
verschiedenen Variationen des Corliss-Systemes, so einfach und zeigt 
auch, wie die Erfahrung an der ersten Maschine dieses Systemes ge 
lehrt hat, welche seit 1(4 Jahren,, die sämmtlichen Transmissionen und 
Arbeitsmaschinen der Dingler’sehen Fabrik treibt, so ausserordent 
lich wenig Abnutzung, dass sie wohl neben der Sulzer-Maschine als 
die vorzüglichste der Ausstellung und als die Maschine der Zukunft 
bezeichnet werden darf. 
Von grösseren Betriebsmaschinen bleiben jetzt nur noch die für 
specielle Zwecke bestimmten übrig. Von diesen sind die beiden 
Walzwerksmaschinen von Englerth & Cünzer und von Dahek 
& Co. bereits oben kurz besprochen; erwähnt wurden ferner ebenfalls 
bereits die Gebläsemaschinen von Seraing und von Simmering, 
es bleiben also wesentlich nur noch die Fördermaschinen und dre 
Pumpwerke. 
Von ersteren befinden sich sechs auf der Ausstellung, von denen 
vier allein von österreichischen Firmen. 
Die Firma Danek & Co. stellt eine grössere Zwillingsförder 
maschine für flache Seile mit Stephenson-Coulisse aus, bei welcher 
also die Veränderung der Expansion für das An- und Abfahren nur 
durch die verschiedene Ueberdeckung erzielt wird. Die Bremse liegt 
zwischen beiden Seiltrommeln und kann sowohl von Hand als auch mit 
Dampf bewegt werden. Eine zweite, kleinere Maschine derselben Firma, 
ebenfalls Zwillingsmaschine, ist für runde Seile bestimmt und hat eben 
falls Coulissensteuerung; eine dritte (Dampfhaspel) hat nur Hand- 
Steuerung. 
Wiener Weltausstellung. II. ^
	        
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