Section I. Motoren, Kraftübertragungsmaschinen etc. 55
oscillirende Maschine, und zwar mit zwei Cylindern, bei welcher die
Steuerung durch den Zapfen erfolgt. In der Ausführung ist sie aber
weitaus nicht so elegant und lässt namentlich nicht ein so leichtes
Nachsehen und Nachdichten des $chieberspiegels zu.
Ausserdem ist noch ausgestellt eine Wassersäulenmaschine „mit
Expansion“ von Ph. Mayer in Wien. Dieselbe hat ganz die Form
einer liegenden Dampfmaschine; das Wasser wird vor Beendigung des
Hubes abgeschnitten und dafür durch an den Enden des Cylinders
befindliche Ventile nach Bedürfniss Luft nachgesogen, welche in kleine
Windkessel gepresst wird und bei den folgenden Hüben durch Expan
sion wirkt. Namentlich sollen aber durch diese „Expansion“ wohl die
bei dem viel zu kleinen Windkessel der Maschine sonst unvermeidlichen
Wassei^tösse beseitigt werden, die bei der Schmid’schen durch hin
reichende Grösse des Windkessels, vorzüglich aber auch durch das in
die Zuführungsleitung eingeschaltete kleine Luftventil vermieden werden.
Zwei eigenthümliche Motoren, allerdings erst in Experimentir-
modellen, hat Fr. Siemens in Dresden ausgestellt. Beide beruhen auf
der durch Wärme veranlassten Verlegung des Schwerpunktes von
Flüssigkeitsmassen.
Der erstere ist ein Dampfmotor, welcher indess nur aus einem
eigenthümlich angeordneten Kessel besteht 1 ). Dieser ist ein Cylinder
aus Kupferblech, welcher auf geneigter Achse montirt und an dessen
innere Wandung ein spiralförmig gebogener Bleckstreifen derartig an-
gelöthet ist, dass er eine Folge von ineinander geschachtelten unten
offenen Trichtern bildet, zwischen denen ein nach der Mitte zu offener
Schraubencanal verläuft. Das Ganze ist zu etwa zwei Drittheilen mit
Wasser gefüllt und wird am unteren Ende — hier durch einen Gas
brenner — geheizt. Es entwickelt sich Dampf, welcher in jedem
Schraubengang am höchsten Punkte sich sammelt und dafür Wasser ver
drängt. Dadurch wird aber die Lage des Schwerpunktes alterirt, indem
der Schwerpunkt des jetzt noch gefüllten Theiles eines jeden Ganges,
und folglich auch der der ganzen Flüssigkeitsmenge, nicht mehr in einer
durch die Achse gehenden Verticalebene, sondern seitwärts davon liegt.
Der Tendenz der Flüssigkeit,-sich wieder so einzustellen, dass der
Schwerpunkt unterstützt ist, widerstrebt die Spannkraft des Dampfes
i) Zeichnung und Beschreibung, letztere ein Abdruck des von der Firma
ausgegebenen Prospectes, gifebt Zeman in seinen Notizen von der Wiener
Weltausstellung, Dingler Bd. 209, S. 86, übergegangen in Deutsche
Industrie-Zeitung 1873, S. 322 und hieraus in Scientific american
N. S. Vol. 29, p. 194. Die Idee ist übrigens durchaus nicht neu. Im Mai
1869 erhielt V. E. Newton für John Benjamin Boot in New-York
ein Patent auf eine bis auf den eigenthümlichen Condensator selbst in der
Form mit der ausgestellten übereinstimmende Maschine, fepecification 1869,
Nr. 1374.