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Full text: Bau- und Civil-Ingenieurwesen, Wiener Weltausstellung Heft 9

Section III. Strassen-, Brücken- u. Eisenbahnbau. 385 
Heusinger’s Organ, 1873, S. 136 beschrieben, bestehen aus einer Mi 
schung von Asphalt und kleinen Kieselsteinen, die erst bei einer Hitze 
von über 200° schmelzbar ist, sind also (nach Angabe des Erfinders) 
gegen die stärkste Sonnenwärme unempfindlich und auch gegen alle 
sonstigen schädlichen Einflüsse der Atmosphäre. Sie verbinden mit 
einer äussersten Zähigkeit die Elasticität des Holzes. Die Würfel haben 
Kreuzform von 0'6 m grösster Länge und 0'15 ni Dicke. In jeden 
Würfel sind eingegossen: ein kurzer Walzbalken, welcher dem Sehienen- 
fuss zum Auflager dient; ein Bügel, dessen nach oben herausragenden 
beiden Enden Schraubengewinde zur Befestigung der Schienen mittelst 
Klemmplatten tragen, und ein horizontales Bandeisenstück, an dessen 
seitwärts herausragendem Ende die Querverbindungsstange jfe zweier 
gegenüberliegender Würfel angeschraubt wird. Da-die Schienenbefesti- 
gungsschranben gegen einander versetzt sind, so müssen die seitlichen 
Stössc der Fahrzeuge auf ein Verdrehen der Würfel hinwirken. In 
dieser Beziehung dürfte also noch eine Verbesserung wünschenswerth 
scheinen. Im Uebrigen wird angegeben, dass jeder Würfel eine Trag 
fähigkeit von 150 Tonnen haben soll und dass Probewürfel, die seit neun 
Monaten auf der Schweizer Westbahn und der Lyoner Bahn verlegt 
wurden, bisher ein sehr günstiges Resultat geliefert haben sollen. 
Einen Würfel aus Betonmasse hat der bekannte französische 
Unternehmer Castor ausgestellt. Es ist dies eigentlich ein niedri 
ger stehender Cylinder mit unterer horizontaler und oberer kugel- 
calottenförmiger Oberfläche. Der cylindrische Theil wird durch einen 
starken Ring aus Flacheisen umgeben, welcher das Auseinanderdrücken 
der Masse durch die darüber weggehenden Lasten in sehr zweckmässi 
ger Weise verhindert und Gelegenheit zur Anbringung von Querver 
bindungsstangen bietet. Die Schienenbefestigungsschrauben sind auch 
hier in die Masse eingegossen und ruhen die Schienen auf Unterlags 
platten. Hinsichtlich des Materials mochte man dem Asphalt, wenn 
er sich wirklich gegen die Einwirkungen der Hitze unempfindlich zei 
gen sollte, den Vorzug vor dem spröden Beton geben, während die 
Form der Castor’sehen Würfel mit dem Ringe wieder Vorzüge zu 
bieten scheint. Vielleicht ist hier wenigstens der Impuls zu nicht uner 
heblichen Verbesserungen gegeben. 
Von den ganz eisernen Oberbausystemen, wie sie in Deutschland 
bereits seit längerer Zeit cultivirt und ventilirt werden, ist besonders 
das System „Hilf“ der Nassauischen Staatseisenbahn zu erwähnen. Ver 
änderungen waren nicht angebracht. Es besteht bekanntlich in Lang 
schwellen aus Walzeisen, im Querschnitt eine horizontale 1 latte mit 
Mittelrippe und schrägen, seitlich in den Kies tief eingreifenden Seiten- 
flantschen. Eine Berechtigung, es von Neuem auszustellen, mag der 
Verfasser in dem Umstande gefunden haben, dass es ihm geglückt ist, 
sein System bereits in grösserem Umfange zur Anwendung zu bringen 
Wiener Weltausstellung. II. ' 25
	        
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