Section III. Strassen-, Brücken- u. Eisenbahnbau. 387
Bei einzelnen französischen Profilen wird hervorgehoben, dass mit
Rücksicht auf die Abnutzung des Kopfes das Material so disponirt ist,
' dass eine gleiche Inanspruchnahme in Kopf und Fuss durch die
Biegungsmomente erst nach einer gewissen Schwächung des Kopfes
eintritt.
Ein Gleis aus Bessemer- und eines aus Martinstahl - Schienen hat
die Kaiser-Ferdinand-Nordbahn in natura ausgestellt. Diese haben
schwebenden Stoss und Befestigung durch Atzinger Stosswinkel und
Hakennägel. Die Schienen wiegen 34‘95 Kg pro laufenden Meter.
Um die Laschenverbindung, welche bei den meisten Bahnen noch
einen schwachen Punkt bildet, hat sich die königl. Direction der Ber-
gisch-Märkischen Bahn besonders verdient gemacht, indem sie sich zu
einer ziemlich schweren und also auch theuern Construction entschlos
sen hat, welche aber an Solidität möglichst viel leistet. Beide Laschen
umfassen den Schienenfuss auf seiner obepen Seite und reichen bis
Schienenunterkante herab, die äussere reicht neben dem Kopfe auch
noch bis Schienenoberkante. Die innere kann wegen des für den Spur
kranz nöthigen Raumes natürlich nicht so weit heraufreichen.' Die
Laschen sind 65 cm lang und reichen (bei schwebendem Stoss) von
Schwellenmitte zu Schwellenmitte. Sie werden durch sechs Schrauben
bolzen verbunden und haben Einklinkungen für die Hakennägel, wo
durch die Einklinkung der Schienen vermieden wird.
Es wiegen :
Die äussere Lasche 14'25 Kg,
die innere Lasche 10'37 „
die 6 Laschenbolzen 4'6 2 „
die 4 Hakennägel 1'15 „
der ganze Stoss also 30'39 Kg.
Auf möglichst grosse Stabilität der Schienen gegen Umkanten ist
auch die Oesterreichische Nord-Westbahn bedacht. Sie wendet ihren
ausgestellten Normalienheften zufolge schwebenden Stoss an und giebt
in den geraden Linien und Curven mit mehr als 600 m Radius jeder
Schiene zwei Stossplatten an den Enden mit 3 resp. 4 Nägeln. Von den
4 Nägeln sitzen zwei in Einklinkungen. Bei Curven von 400 bis 600 m
Radius kommt noch eine Unterlagsplatte mit 3 Nägeln in der Mitte
hinzu, bei Curven unter 400 m Radius 2 Platten ä 3 Nägel in der
Mitte. Auch die Kaiser-Ferdinands-Nordbahn wendet für jede ihrer
6’6 m langen Schienen 3 Unterlagsplatten an, welche auch mit je 3
Nägeln auf den Mittelschwellen befestigt werden. Die Unterlagsplatten
wirken nicht allein dadurch günstig, dass sie die Auflagerfläche der
Schienen -auf dem Holze vergrössern, sondern auch dadurch, dass sie
sämmtliche Nägel eines Schienenbefestigungspunktes gegen seitliche
Verschiebung der Schiene solidarisch machen. Ihre Vermehrung resp.
nicht zu sparsame Anwendung ist, wo sie vorkommt, also anzuerkennen.
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