388 Gruppe XVIII. Bau- u. Civil - Ingenieurwesen.
Ein weiteres Verdienst um den Oberbau hat sich die Nord-West
bahn resp. ihr Inspector, Herr Hohenegger, durch die Erfindung resp.
Einführung der Bolzenmutter-Fixirungsplättchen erworben, welche von
der Nord-Westbahn auf das Beste empfohlen werden und auch bereits
von anderen Bahnen angewandt oder wenigstens in Aussicht genommen
zu sein scheinen. I)as Plättchen wird aus 2'5 mm starkem Eisenblech
hergestellt, erhält in der Mitte ein Loch von der Stärke des Bolzens
und seitwärts eine Aufschlitzung, welche das Aufbiegen eines Theiles
desselben gestattet. Die Höhendimension ist so ausgemittelt, dass das
auf den Bolzen geschobene Plättchen mit seiner Unterkante der ganzen
Länge nach auf dem Schienenfuss fest aufsteht, so dass eine Drehung
desselben unmöglich ist (dies Aufstehen auf dem Schienenfuss resp. auf
irgend einem festen Rande ist natürlich eine conditio sine qua non.
Man kann also die Plättchen nicht ohne Weiteres bei jeder Laschen
form und bei jedem beliebigen Schraubenbolzen an wenden). Das Plätt
chen wird sogleich beim Legen des Oberbaues unter die Bolzenmutter
gelegt und sodann die Mutter stark angezogen. Nach ungefähr sechs
monatlicher Befahrung des Oberbaues werden die Muttern sämmtlich
noch einmal angezogen und hierauf die durch die Aufschlitzung des
Plättchens gebildeten Lappen mit Hilfe eines eigens dazu construirten
Schlüssels aufgebogen, dass ein Zurückgehen der Mutter nicht mehr
möglich ist. Die Oesterreichische Nord-Westbahn bezieht die Plättchen
zu demselben Preis pro Gewichtseinheit wie die Bolzen. Sie wiegen
1 /io des Bolzens. Zu bemerken ist, dass, um das Plättchen auf biegen
zu können, immer eine Seite der Mutter senkrecht stehen muss. Wird
also die Mutter fest, während dies gerade nicht der Fall ist, so muss
sie noch so weit überdreht werden, bis die nächste Kante senkrecht
steht. Es wird indess nirgend von Praktikern angegeben, dass dies
ein Uebelstand sei, die Elasticität des Eisens der Bolzen scheint also
soviel nachzugeben. Bei einer anderen Sorte ähnlicher Plättchen, welche
Emanuel Ponetz aus Colliu ausstellt, findet die Fixirung in jeder
beliebigen Stellung der Mutter statt, indem nur ein Theil des Plätt
chens (ohne Aufschlitzung) um die untere Kante einer Seitenfläche der
Mutter aufgebogen und flach an die Mutter gelegt wird. Diese An
ordnung ist vielleicht noch einfacher und besser als bei Hohenegger. Im
Uebrigen ist die Arretirung der Plättchen selbst, welche mit einem
Rande in eine in die Lasche eingewalzte ♦Nuth eingebogen werden
oder mit einem kleinen Dorn in ein entsprechendes Loch greifen, um
ständlicher als dort. Eine Combinirung beider Systeme dürfte also
vortheilhaft sein.
Eine andere Feststellung der Schraubenmuttern hat die Paris-Lyon-
Mittelmeerbahn. An der auf der Lasche aufliegenden Seite der Mut
ter sind sechs radiale, rinnenförmige Vertiefungen ; die Muttern müssen
nun so gedreht werden, dass bei jeder zwei Rinnen horizontal stehen.