Section III. Strassen-, Brücken- u. Eisenbahnbau.
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11. Bahnhofsanlagen.
Von Bahnhofsanlagen findet sich zunächst eine nicht unbeträcht
liche Zahl der in den letzten Jahren ausgeführten Empfangsgebäude
bildlich dargestellt und beschrieben. Frankreich lieferte den Pariser
Bahnhof der Orleans-Bahn mit seiner 51*5 m weiten, also nächst der
Midlestation in London der weitausgespanntesten bis jetzt ausgeführten
Halle. Deutschland bringt an Zahl die meisten Gebäude dieser Art:
z. B. den Potsdamer Bahnhof in Berlin und den Centralbahnhof in Mag
deburg, den Lehrter Bahnhof in Berlin, den Stuttgarter Bahnhof. Es
ist nicht zu verkennen, dass sich in diesen Bauwerken ein Fortschritt
kund giebt, welcher nicht nur auf die äussere Erscheinung, sondern
auch auf die Zweckmässigkeit der Einrichtungen gerichtet ist.
In Betreff der mechanischen Einrichtungen der Bahnhöfe ist zu
bedauern, dass England sich so wenig an der Ausstellung betheiligt
hat, da ihm hierin der Vorrang bis jetzt nicht streitig gemacht werden
kann. Als erfreulicher Beweis dafür, dass man auch in Deutschland
anfängt, die Vortheile der Verwendung der Maschinenkraft in dieser
Hinsicht auszunutzen, sind die hydraulischen Hebevorrichtungen und
Schiebebühne auf dem Potsdamer Bahnhof in Berlin anzuführen.
Von Drehscheiben sind besonders die kleinen (für Wagen) sehr
vertreten. Es finden sich darunter solche mit einem Kranz von mehr
oder weniger Hollen, solche mit vier Laufrädern, auf deren Achsen die
Last ruht, und endlich solche, die auf einem Kranze von kleinen Kugeln
laufen. Von diesen drei Arten dürfte die älteste, nämlich die mit dem
Rollkranze, geschickt ausgeführt, noch immer, namentlich für Rangir-
zwecke, recht praktisch sein. Es findet sich eine solche, recht hübsch
construirt, in dem Album der Französischen Südbahn. Sie hat 11 oder
12 conische Rollen von 285 mm Durchmesser und 100 mm Breite.
Der untere Laufkranz ist aus Gusseisen, und durch eben solche Arme
mit dem Zapfen verbunden. Der obere Laufkranz, die Schienenträger
sowie das Diagonalkreuz sind aus 200 mm hohen Walzbalken gebildet.
Die Aufhängung am Zapfen geschieht durch vier Schraubenbolzen.
Die Gesammttiefe der Grube beträgt 625 mm, die Umfassung der Grube
ist aus Gusseisen ohne Mauerung. Bemerkenswerth durch den Versuch,
das „Schlagen“ der Scheiben beim Darüberweggehen vonZügen, wenn
nicht zu beseitigen, so doch in den Folgen für die Construction zu mil
dern, ist die von Hohenegger construirte Drehscheibe der Oesterrei-
reichischen Nordwestbahn. Sie ist auf dem Mittelzapfen mittelst vier
starker Evolutfedern aufgehängt, welche gestatten, die Aufhängung so
weit zu überhöhen, dass der grösste Theil der Last der zu drehenden