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Full text: Bau- und Civil-Ingenieurwesen, Wiener Weltausstellung Heft 9

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Section II. Wasserbau. 
in Bezug auf den wohlthätigen Eingriff des Staates in die Gemeinde 
verhältnisse, als auch in Bezug auf die Wahl der technischen Mittel 
alle Anerkennung verdient. Entwurf und Ausführung der Anlage 
erfolgte unter der Oberleitung des Oberbauraths Ehmann. 
Eine interessante Vorrichtung zur Abzweigung bestimmter 
Quantitäten Wasser aus offenen Canälen behufs Verwendung 
zu landwirtschaftlichen oder industriellen Zwecken stellte die Bau 
behörde von Mailand in Modell und Beschreibung aus. 
Das Wasser wird dort seit langen Jahren nach dem Mailänder 
Wasserzoll gemessen. Es ist dies diejenige Wassermenge, welche aus 
einer rechteckigen Durchflussöffnung von 3 Zoll mailändisch (148'7 mm) 
horizontaler Breite und 4 Zoll (198*3 mm) Höhe ausfliesst, wenn die 
Wasseroberfläche im Innern 2 Zoll (99*2 mm) höher steht als der obere 
Rand der Oeffnung, und entspricht 34*60 Liter in der Secunde. 
Um eine gewisse Quantität Wasser dem Hauptcanale zu entziehen, 
wird nun ein metallener Rahmen von der Höhe von 4 Zoll und ent 
sprechender Breite als Schlusswand in eine gemauerte und überwölbte 
Kammer, durch welche das Wasser zu fliessen genötigt wird, gesetzt. 
Damit nun in dieser Kammer das Wasser vor dem Rahmen die erforder 
liche Höhe erreiche, ist vor derselben ein Schütz angebracht, dessen 
Stellung man unter Verschluss hält. 
2. Abzugscanäle und Entwässerungen 
von Sümpfen. 
Städtische Abzugscanalsysteme sind nur von den Städten 
Paris und Hamburg ausgestellt worden. 
Die Pariser Ahzugscanäle sind durchweg in solchen Grössen 
ausgeführt worden, dass dieselben von Menschen begangen werden können 
und dienen zur Abführung des Strassen- und Hauswassers, mit Ausnahme 
der festen menschlichen Auswurfstoffe. Dabei sind sie auch bestimmt, 
eine grosse Menge erdiger Stoffe, welche von den vielen Schotterst! assen 
reichlich in die Siele gespült werden, abzuführen. Sie sind daher der 
Nachhilfe und Reinigung stetig bedürftig und zu diesem Zwecke mit 
sinnreichen Vorrichtungen versehen. Neben den bekannten Stauthoren, 
welche die Canalwasser sammeln und zur Spülung der folgenden Strecken 
verwenden, dienen in den Ilauptsielen Eisenbahnwagen mit beweglichen 
Schützen. Diese stauen an dem augenblicklichen Aufenthaltspunkte 
des Wagens die Wasser auf und sammeln vor sich die schweren Sink 
stoffe, welche durch das zur Seite und durch kleinere im Schützen ange 
brachte Oeffnungen durchströmende Wasser ähnlich wie die Kieshänke 
in den Flüssen fortbewegt werden, während die leichteren Stoffe in den 
Wiener Weltausstellung. II. 21
	        
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