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Full text: Bau- und Civil-Ingenieurwesen, Wiener Weltausstellung Heft 9

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Gruppe XVIII. Bau- u. Civil - Ingenieurwesen. 
Vom technischen Gesichtspunkte aus betrachtet muss der aller 
dings nur als Project bestehende Donau-Oder-Canal als ein grossarti 
ges, nützliches und nach den vorliegenden Angaben gut ausführbares 
Werk gelten. In Bezug auf dessen Rentabilität jedoch und die Fähig 
keit die Concurrenz mit den bestehenden Eisenbahnen auszuhalten, kann 
aus den zur Ausstellung gelangten Materialien, die namentlich keine 
Kostenberechnungen enthalten, kein Urtheil ausgesprochen werden. 
Von Interesse ist ferner ein von dem F ü r stenzuSchwar z enbe rg 
ausgestelltes und von dem Ingenieur J. Deutsch verfasstes Project 
für die Anlage eines Flösscanals im Teuf eisgraben (oberer 
Stromlauf der Moldau im südlichen Böhmen). 
Es handelt sich hierbei um die Herstellung eines Flösscanals von 
etwa 1 Meile Länge (Neuhäuser-Hohenfurth) durch ein enges, gewun 
denes und mit grossen Blöcken bedecktes Felsenthal in dem Quellgebiete 
eines grösseren Flusses (Moldau)., Der Canal wird mit Benutzung der klei 
nen Vortheile des überaus ungünstigen engen Thaies aus dem Bereiche 
des Wildwassers hinausgerückt und ihm ein aus Stein hergestelltes re 
gelmassiges Profil von 4'6 m Sohlenbreite gegeben. Zum Flössen gros 
ser Stämme ist eine gewisse Wassertiefe erforderlich (hier 0'62 bis 
0'82 m); die Moldau besitzt in der fraglichen Strecke ein Gefälle von 
750 
bis V, 
60* 
Würde man nun einen Canal von ähnlichem Gefälle und der an 
gegebenen Wassertiefe erbauen, so erzielt man zu gleicher Zeit eine 
so grosse Geschwindigkeit des Wassers und der zu flössenden Holzmas 
sen, das für die Flösser die grösste Gefahr und für die Bauten die ver 
derblichsten Angriffskräfte erwachsen müssten. Zur Verhütung dieser 
Uebelstande ist nun ein eigenthümliches Mittel verwendet worden; der 
Schwemmcanal ist in einzelne Strecken von etwa 31 m Länge und 
von geringem relativen Gefälle (0‘003 bis 0‘005) getheilt worden, 
welche unter einander vermittelst kleiner Ueberfälle von 0'40 m bis 
0'60 m Sturzhöhe Zusammenhängen. 
Ueber diese kleinen Ueberfälle werden sich selbst mit Menschen 
besetzte Flösse aus Stammhölzern ohne Unbequemlichkeit und Gefahr 
fortführen lassen. 
Die Technik erkennt in dem vorgeschlagenen Mittel eine wichtige 
Neuerung, die dazu dienen wird, steile Gebirgsschluchten zum Zwecke 
des Holzflössens nutzbar zu machen. 
Von Frankreich wurden ferner ausgestellt die Bauten zur Spei 
sung der Scheitelstrecke des Canals von der Aisne zur 
Marne. 
Dieses im Canalnetze Frankreichs wichtige Glied führt durch die 
Ebene der Champagne und musste wegen der stark durchlassenden 
Natur der herrschenden Gebirgsart (weisse Kreide) in der ganzen Aus-
	        
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