337
Section II. Wasserbau.
Yon Wichtigkeit in hydrotechnischer Beziehung ist die durch
Holland bewirkte Erbauung der Eisenbahn von Bergen op Zoom nach
Ylissingen auf der Insel Walchern und die hierzu nöthige Abdämmung
der Osterschelde. Der Bahnkörper steigt aus der Niederung
von Nordbrabant über die Krone der Hauptdeiche bis auf 7'10m über
den Nullpunkt des Amsterdamer Pegels (A. P.), bleibt in der Ueberschreitung
der Osterschelde etwa 4'5 Km lang in dieser Höhe liegen,
um wieder in die Niederung von Zuidbeveland niederzusinken. Die
Osterschelde war der Wasserweg für ein- und ausgehende Fluthund
Ebbeströme und hatte an der Stelle der Eisenbahnlinie zwei Einrisse
von verhältnissmässig kleiner Ausdehnung gebildet, von denen
der tiefere selbst bei Ebbe noch mit Wasser bedeckt war. Das übrige
Profil lag jedoch bei den kleinsten Wasserständen trocken. Der Querschnitt
des aus Sand mit einer dicken Thonbedeckung hergestellten
Dammes zeigt nordwärts vierfüssige, südwärts dreifüssige Anlage, in der
Höhe des auf + 2’41 m A. P. liegenden gewöhnlichen Hochwassers eine
zwanzigfache Anlage, Zwischen dem gewöhnlichen Wasserwechsel ist
der Damm durch ein auf Faschinenbettung ruhendes starkes Pflaster
gesichert. Das bekannte höchste Wasser (Sturmfluth vom 2. December
1867) ist -|- 4-35 m A. P.
Eine besondere Schwierigkeit war bei Durchdämmung der erwähnten
beiden tieferen Wasserrinnen zu überwinden. Es wurde dieselbe
Baumethode verwendet, die in Holland bei Schliessung von Deichbrüchen
üblich ist. Die Füsse des Dammes wurden bis zur Ebbehöhe durch Senkstückbau
(6 bis 7 Lagen) gesichert und die darüber liegende Erdmasse
theilweise unter dem Schutze eines provisorischen Kahdedeiches und zwar
in einem einzigen Baujahre ausgeführt.
In Verbindung mit der Durchdämmung der Osterschelde stehen
zwei neuerbaute Schifffahrtscanäle, der eine durch Walchern von
Vliessingen nach Veere, der andere mehr westwärts zwischen Westerund
Osterschelde; die Durchdämmung des mit der Sohle 8 m unter
Ebbe liegenden Wasserlaufes, der Sloe, und die Erbauung der grossen
Schifffahrtsschleuse bei Vliessingen zählen zu den schwierigsten
Bauausführungen.
Aus Deutschland hat allein Baden seine Strombauten zur
Darstellung gebracht. In Beschreibung und Karten wurden von der
Oberdirection des Wasser- und Strassenbaues die Arbeiten zur Correction
des Kheines längs der badischen Grenze und der Zustand
des Flusses beim Beginne der Arbeiten 1838, dann im Jahre
1853 und endlich im laufenden Jahre 1873 in übersichtlicher Weise
vorgeführt.
Der Rhein floss vor 30 Jahren in der breiten Rheinebene als Wildstrom
mit wechselndem Bette, oberhalb Karlsruhe vielfach Inseln bil-Wiener
Weltausstellung. II. 22