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Full text: Bau- und Civil-Ingenieurwesen, Wiener Weltausstellung Heft 9

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Gruppe XVIII. Bau- u. Civil-Ingenieurwesen. 
dend, unterhalb jedoch in mehr geschlossenem Laufe durch meilenweite 
Windungen tief in das Land eindringend. Grosse Landstrecken waren 
jeder Cultur entzogen, jeder Ueberschwemmung und Eisverwüstung 
ausgesetzt; die Acker versumpften und die Rheingegenden waren ihres 
Fieberklimas wegen verrufen. Die Stromcorrectionsarbeiten sind im 
Uebereinkommen mit den am linken Ufer liegenden Staaten nach ein 
heitlichem Systeme ausgeführt worden. Die technischen Mittel bestan 
den im oberen Theile vorzüglich in grossartigen Parallelwerken, im 
unteren Theile vorzüglich in Stromdurchstichen. Der Rhein fliesst jetzt 
in sanften Krümmungen in einem geschlossenen, befestigten Bette, die 
Wasserstände sind gesunken, die Uferländer entsumpft, die vielen mit 
Wasser früher bedeckten Strecken in üppige Wälder und Aecker ver 
wandelt, die Rheingemeinden sind im Wohlstände gestiegen und der 
Gesundheitszustand ist ein sehr guter geworden. In den Ruhm dieses 
internationalen Werkes theilen sich Baden,- Frankreich und Bayern; 
ersterer Staat wird wohl deshalb den grösseren Antheil desselben an 
sprechen dürfen, weil derselbe eine Uferstrecke auszubauen hatte, 
welche der Summe der beiden anderen gleichkommt, weil ferner die 
sehr bedeutenden Baukosten von dem kleinsten Lande getragen werden 
mussten und weil endlich der Antrieb von Baden ausgegangen ist. 
Der Ausbau der Binnenflüsse Badens, welche gleichfalls zur Ausstel 
lung gebracht sind, ist soweit vorgeschritten, wie vielleicht in keinem 
anderen Lande der Erde. Diese Flüsse laufen in befestigten, gerade 
gezogenen und gegen die Hochwasser durch Dämme eingeschlossenen, 
oft künstlich gegrabenen Betten, so dass die Wassermassen, welche 
früher von den steilen Abhängen des Schwarzwaldes verheerend 
niederflossen, nunmehr gefahrlos in die grösseren Ströme sichergiessen. 
Oesterreich war durch seine grossartigen, in der Ausführung 
begriffenen Arbeiten der Donauregulirung bei Wien besonders 
hervorragend vertreten. Die an der Spitze des ganzen Werkes stehende 
Behörde, die Donau-Regulirungscommission, konnte neben Be 
schreibung und Zeichnung die entstehende Anlage selbst dem Tech 
niker vor Augen führen. 
Die Donau, diese mächtige Verkehrsader Oesterreichs, fand sich 
in der Nähe der Hauptstadt der Monarchie in einem sehr verwilderten 
Zustande. Zwischen dem Kahlenberge und Theben an der ungarischen 
Grenze breitet sich eine mit Flussgeröllen bedeckte Thalebene bei Wien 
aus, in welcher der Strom in vielfachen Spaltungen ein sehr veränder 
liches mit Inseln übersäetes Bett durchläuft. Das Flussgerölle bleibt 
in dieser breiten Ebene in schädlicher Weise hegen, dem Wasser wird 
der Abfluss erschwert, Eisstockungen treten häufig ein, in Folge dessen 
Ueberschwemmungen der Stadt und grosser Strecken Landes mit allen 
bekannten schädlichen Einflüssen. Ein Stromarm, der Donaucanal,
	        
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