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Full text: Bau- und Civil-Ingenieurwesen, Wiener Weltausstellung Heft 9

352 Gruppe XVIII. Bau- u. Civil -Ingenieurwesen. 
äussersten Ende des Departements Finisterre noch acht Meilen weit in 
die See erstreckt. Es war für die Schifffahrt von grösster Bedeutung, 
dass diese gefährlichen und in heftigster Brandung liegenden Klippen 
durch ein kräftiges Leuchtfeuer sichtbar wurden, besonders weil die 
transatlantischen Dampfschiffe (von Havre nach Rewyork) gezwungen 
sind, nahe bei dem Riff vorbei zu fahren und nicht Zeit haben in 
ungünstiger Witterung tagelang in offener See zu kreuzen. Die Er 
bauung eines steinernen Leuchtthurms auf einem selbst bei stiller See 
noch von Brandungswellen überdeckten kleinen Felsen, der bei Ebbe 
nur eine Fläche von 7 bis 8 m Breite und 15 m Länge zeigte, fern von 
jedem Hafen, gehört zu den schwierigsten und aufopferndsten Arbeiten. 
Im ersten Baujahre, 1867, gelang es nur während acht Stunden, den 
leisen zu betreten; im Jahre 1868 waren nur 18 Stunden, 1869 nur 
42 Stunden und ähnlich in den folgenden Jahren, Zeit zur Arbeit vor 
handen. Die Art der Ausführung bestand zunächst in der Herstellung 
von Bohrlöchern in den Felsen, etwa in Entfernung von 1 m von ein 
ander, in welche Eisenstäbe eingesteckt wurden, um den mit Schwimm 
gürteln versehenen Arbeitern und dem Mauerwerk den ersten Halt zu 
bieten. Die Steine werden mit Hilfe von fast augenblicklich binden 
den Medinacement auf den Fels geheftet. Man hatte 1873 schon 
114 cbm Mauerwerk hergestellt und konnte mit Sicherheit erwarten, 
dass in dem laufenden Baujahre die Höhe der höchsten Fluth über 
schritten werden wird. Die gewonnene Basis hat jedoch nur 7'20 m Durch 
messer und obgleich eine Fülle von Verankerungen angewendet wurde, 
so wagt man doch nicht, das Bauwerk höher als 30 m über Hochwasser 
in der Leuchtebene fortzuführen. 
4) Zwei Leuchtthürme in der Ausmündung der Gironde 
(de la Palmyre und von St. Pierre de Rohan). Es sind Richtefeuer, 
theils in Eisen, theils in Stein von auffallender äusserer Form, um auch 
als Landmarke bei Tag gut unterscheidbar zu sein. 
In den Beleuchtungsapparaten, welche von AugustFresnel 
erfunden wurden, hat sich in den letzten Jahren insofern eine 
Aenderung vollzogen, als man von den früher allgemein benutzten 
Flammen für Rüböl zu solchen für billigeres Mineralöl übergegangen 
ist. Die Lampen für grössere Apparate erhalten einen Docht mehr, 
so dass jetzt für Feuer erster Ordnung Flammen mit fünf concentrischen 
Dochten statt vier angewendet werden; auch hat man eine Verbesserung 
des Luftzutritts zu den einzelnen Dochten eingeführt, wodurch man sämmt- 
lichen in einander geschachtelten Flammen dieselbe Höhe geben kann 
und deren Leuchtkraft erhöht. Elektrische Lichter sind nur in wenigen 
einzelnen Leuchtthürmen angewendet.
	        
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