Section III. Strassen-, Brücken- u. Eisenbahnbau. 365
zösischen Orleansbahn (gegenwärtig in Wien angestellt) zu danken.
Während bei den früher construirten Viaducten der Orleansbahn, denen
von Busseau, d’Ahun und laCere, jeder Pfeiler aus acht Säulen bestand,
die unter sich zu einem Fach werk verbunden waren, und der Freiburger
Viaduct noch 12 Säulen hatte, ist die Anzahl der Säulen bei den Via
ducten der Linie von Commentry nach Gannat, von denen der Viaduct
über das Boublethal in Zeichnungen zur Ausstellung gelangt ist, auf
vier reducirt und dadurch eine erhebliche Vereinfachung der Construction
und grössere Sicherheit der Vertheilung der Druckkräfte erlangt worden.
Die drei höchsten Pfeiler haben eine Höhe von 56 m. Sie bestehen
aus vier Säulen von Gusseisen, welche 50 cm äusseren Durchmesser
und eine von 3 bis 4 1 /j cm wechselnde Wandstärke haben. Sie sind
durch schmiedeiserne Querverbindungen und Doppeldiagonalen zu I ach-
werken von 5 m Etagenhöhe verbunden. Das Innere der Säulen ist
zur Vermehrung des Gewichts und der Steifheit mit Beton ausgefüllt;
zur Vermehrung der Stabilität der Pfeiler gegen den Winddruck sind
an der Basis derselben bogenförmige Röhren als Streben zwischen
Fundamentmauerwerk und Säule angesetzt worden. Diese gebogenen
Röhren sind als Theile eines Fachwerks unzweckmässig und wären
besser fortgeblieben. Der Viaduct hat sechs Oeffnungen ä 50 in Spann
weite und ist von den Ingenieuren Nördling und Delon erbaut
worden.
Nach denselben Grundsätzen sind die Pfeiler des Viaducts über
das Thal des Iglawa construirt, welche unter den Zeichnungen der öster
reichischen Staats eisenb ahng esellschaft ausgestellt sind. Diese
Pfeiler haben 25 m Höhe und bestehen aus vier gusseisernen Säulen,
die ebenfalls durch schmiedeisernes Fachwerk von 5 m Etagenhöhe zu
einem festen System verbunden sind. Die Basis bildet ein Rechteck
von 5‘5 und 9'5 m Seite, während sie sich nach oben bis zu einem
Rechteck von 3 zu 5 m verjüngen. Durch die verbreiterte Basis ist
eine bedeutende Stabilität gegen den normal zur Brücke wirkenden
Winddruck gewonnen worden , so dass jene Streben an der Basis ent
behrt werden konnten. Als Constructeur derselben wurde Hen v. Rup-
pert in Wien bezeichnet.
Auch seitens der spanischen Compania de los Ferrocariles
de Madrid a Zaragoza y a Alicante (Eisenbahngesellschaft von
Madrid nach Saragossa und Alicante) war ein schönes Modell eines
Eisenbahnviaducts über den Fluss Guarrizas mit eisernen Pfeilern, in
ähnlicher Weise construirt, ausgestellt. Der Viaduct hat zwei End-
und zwei Mittelpfeiler. Die Mittelöffnung hat 50 m Lichtweite, die
beiden Seitenöffnungen je 46 m. Der eingleisige Oberbau, eine Gitter
brücke mit Flacheisenstäben von gleichmässigem Querschnitt, bietet
nichts Besonderes.