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Full text : Bau- und Civil-Ingenieurwesen, Wiener Weltausstellung Heft 9

Section  III.  Strassen-,  Brücken-  n.  Eisenbahnbau.  369
Zugbänder  aufgehängt.  Auf  diese  Weise  gewährt  jedes  Tragsystem
für  die  Brückenbahn  drei  Hauptlastpunkte,  die  dieselbe  in  vier  gleiche
Theile  theilen.  Jeder  dieser  Tkeile  wird  nun  durch  Hängestangen
in  weitere  vier  Theile  getheilt  und  sind  diese  Hängestangen  an  dem
oberen  der  genannten  Zugbänder  befestigt,  welches  zu  diesem  Zwecke
eine  nach  unten  gebogene  Form  erhalten  hat.  Sieben  dieser  Hängestangen ­
  sind  als  vergitterte  Yerticalen  bis  zur  oberen  Druckgurtung
verlängert  und  dienen  derselben  als  Stütze  und  Aussteifung.  Es  wurde
für  sehr  bedenklich  erachtet,  dass  die  beiden  oberen  Druckgurtungen
bei  einer  Breite  von  0'9  m  und  einer  Länge  von  61*5  m  keinen  anderen
Halt  gegen  seitliches  Ausknicken  empfangen  haben,  als  die  sieben  8  m
hohen  Verticalen,  die  nach  der  Brückenbahn  herunterführen.  Es  ist
hier  offenbar  durch  Künstelei  im  Constructionssystem  eine  bedenkliche
Richtung  eingeschlagen.
Als  ein  Versuch,  den  Brückenbau  zu  vervollkommnen,  ist  die  von
dem  Rothschild’sehen  Eisenwerk  Wittkowitz  unternommene
Herstellung  einer  einfachen  Fachwerksbrücke  aus  Bessemerstahl,  welche
in  natura  zur  Ausstellung  gelangte,  zu  betrachten.  Dieselbe  hatte  20  m
Spannweite  und  ist  dabei  die  Maximalspannung  des  Stahls  in  den
Hauptträgern  mit  1297  Kg,  in  den  Quer-und  Längsträgern  mit  1081  Kg
und  in  den  Nieten  mit  750  Kg  pr.  qcm  in  Rechnung  gestellt.  Dieselbe
war  zur  Prüfung  durch  eine  Probebelastung  vorbereitet,  indessen  war
diese  Belastung  an  zwei  starken  Blechträgern,  die  an  den  unteren
Knotenpunkten  hingen,  aufgehängt  und  werden  die  Resultate  der  Prüfung ­
  durch  diese  Blechträger  stark  beeinflusst  werden.
Die  grösseren  Brücken  mit  oberer  gekrümmter  Gurtung  im  Fachwerksystem
  haben  an  den  Auflagern  gewöhnlich  eine  Höhe  von  6  bis  8  m
und  sind  die  Endverticalen  mit  den  oberen  und  unteren  Querverbindungen ­
  zu  Portalen  ausgebildet,  an  welchen  der  zwischen  den  oberen
Gurtungen  befindliche  horizontale  Kreuzverband  seinen  Stützpunkt
findet.  Das  Fachwerk  besteht  aus  Druckverticalen  und  Zugdiagonalen
hn  zwei-  oder  dreifachen  System.  Die  erste  und  grösste  Brücke  dieser
Art  ist  die  Eisenbahnbrücke  über  den  Leck  bei  Kuylenburg;  dieselbe
hat  eine  Spannweite  von  150  m,  die  grösste  bis  jetzt  ausgeführte  Balkenbrücke. ­
  Ausserdem  hat  dieselbe  noch  eine  Fluthöffnung  von  80  m  und
sieben  von  57  m  Spannweite.  Der  Entwurf  ist  vom  holländischen  Ingenieur ­
  vanDiessen,  der  eiserne  Ueberbau  ist  von  Harkort  ausgeführt.
Aehnliche  Brückenconstructionen  sind  die  bei  Bommel  über  die  Waal
und  bei  Moordyke  über  den  Meerbusen,  von  denen  erstere  120  m  Spannweite, ­
  letztere  100  m  Spannweite  erhalten  hat.  Diese  Brücken  sind
keine  willkürliche  Combinationen,  wie  jene  über  den  Donaucanal  in
Wien,  sondern  Constructionen,  wie  sie  sich  beim  langsamen  rationellen
Fortschritt  von  selbst  ergeben  haben.  Es  ist  daher  auch  nicht  zu  vermeiden ­
  ,  ähnliche  Gebilde  bei  ähnlichen  localen  Bedingungen  (grosse
Wiener  Weltausstellung.  II.  24
            
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